Mit dem folgenden Beitrag schließen wir die Diskussion aus der letzten Ausgabe der "Zeit" ab, die unter dem Stichwort "Finden Sie, daß Ihre Kundschaft sich richtig verhält?" und an einen vor längerer Zeit unter dem gleichen Titel erschienenen Aufsatz anknüpfte. Die hier veröffentlichte Entgegnung stammt von einem unserer Leser aus der Industrie und richtet sich speziell gegen jenen ersten Artikel, in dem ein Bankpraktiker sich "seine Alltagssorgen vom Herzen geschrieben" hatte. "Die in ihrem Sarkasmus recht amüsanten Ausführungen dürften wohl die Dinge zu einseitig von der Warte des Bankiers aus sehen", schreibt der Einsender hierzu; er meint auch, daß unberechtigte Verallgemeinerungen nicht immer vermieden worden seien ... aber Entsprechendes dürfte auch ihm entgegengehalten werden können.

Wie der Kaufmann seine Ware umzuschlagen sucht, so treiben die Banken "Handel mit Kredit" Und wenn der Kaufmann einmal einem unsicheren Besteller nicht – gegen Ziel – liefern will und zum anderen einem solventen Kunden eine Mangelware nicht liefern kann, dann wird er, falls der Kunde liefern in völliger Verkennung. der Gegebenheiten unvernünftigerweise aufbegehren sollte, kaum Aufhebens davon machen. Ebenso sollte und wird die Bank in entsprechenden Fällen doch wohl zur Tagesordnung übergehen.

Der 20. Juni 1948 war nicht nur der Nationalfeiertag der Bankschuldner, sondern zugleich der "schwarze Tag" der Bankgläubiger, die 93,5 v. H. erlassen mußten und keine Ausgleichsforderungen bekamen. Es ist eigentlich bedauerlich, daß die Bemühungen der Wirtschaft – sowohl um Betriebs- wie auch um Investitionskredite – in Bankkreisen in verallgemeinernder Form mit "diesem schönen Erlebnis der befreiten Schuldner" in Zusammenhang gebracht werden. Die Kredit suchende Wirtschaft aber auf die Aufnahme kapitalkräftiger Gesellschafter zu verweisen, bedeutet nicht nur eine Verkennung des Wesens des Bankkredits wie auch der Gesellschaft als Unternehmungsform, sondern wird auch den Augenblicklichen Verhältnissen nicht gerecht. Selbst was bezüglich der sog. "Rabattkredite" gesagt wird, ist unglücklich formuliert. Es hört sich ja fast so an. als ob die Bank gern die 36 v. H. Jahreszinsen vereinnahmen möchte ... Die schleppende Zahlungsweise ist mindestens in gleichem Maße auf das Fehlen billiger Kredite wie auf schlechte Zahlungsmoral zurückzuführen; wenn ein Lieferant sich zu außergewöhnlichen Zugeständnissen in dieser Richtung gezwungen sieht, um vielleicht seine Lieferanten befriedigen oder Löhne bezahlen zu können, so wäre es wirklichkeitsfremd, von dem Kunden erwarten zu wollen, daß er nicht diesen Vorteil wahrnehmen solle, auch wenn er gegebenenfalls zu diesem Zwecke sein Bankkonto überziehen müßte. Es darf übrigens nicht übersehen werden, daß Skonto-Bewährungen in der erwähnten Größenordnung je nach Branche durchaus und seit jeher üblich sind und für beide Partner einen ganz selbstverständlichen Kalkulationsfaktor darstellen.

Sollte es wirklich auch nur in mäßigem Umfange Geschäftsleute geben, die ihre Akzepte bei einer bestimmten, also nicht bei ihrer Bank zahlbar stellen und sich nicht mehr darum kümmern, bis eine Rückfrage kommt – eine Rückfrage also doch wohl der Domizilstelle bei Präsentation nach der Deckung, was voraussetzt, daß vorher die Domizilierung avisiert wurde? Übrigens nimmt in einem derartigen Falle der Akzeptant keinen Bankkredit in Anspruch, da die Bank den Abschnitt nicht einlösen wird, wenn keine Deckung vorhanden ist. Auch die Begebung ungedeckter Schecks ist, wenn sie vorkommt, doch wohl ausschließlich Vorrecht bestimmter "Geschäftskreise", die bei Erörterungen im vorliegenden Zusammenhang kaum einen Platz haben. Außerdem wird man es mit ungedeckten Schecks auch nur einmal an einer Stelle mit Aussicht auf Erfolg versuchen können – und immer wieder einen anderen Lieferanten und eine andere Bank hereinlegen zu wollen, wird man schwerlich ad infinitum durchführen können.

Daß eine Zahlung durch Scheck die Gewährung eines Bankkredits (für die Postlaufzeit des Schecks) bedeuten soll, ist mir nicht klar. Wenn überhaupt von einer Kreditgewährung die Rede sein kann, dann erfolgt sie hier seitens des Lieferanten an den Kunden. Sollte es eben diese "Kreditinanspruchnahme" seitens des Kunden bei seinem Lieferanten sein, die beanstandet wird, so darf darauf hingewiesen werden, daß schon in normalen Zeiten die Zahlung durch Scheck ohne Rücksicht auf den Zahlungsort genau so wie eine am gleichen Tage eingehende Überweisung als fristgerechte Anschaffung betrachtet wurde. Und wenn heute jeder Kunde am Verfalltag seiner Warenschuld einen Scheck, und sei er in München oder Hamburg gezogen, an seinen Lieferanten abrichten würde, wäre mit einem Schlage das Gespräch über die schleppende Zahlungsweise verstummt.

Was die Gruppe der Großschuldner der geschlossenen Berliner Banken angeht, so hat (in der Ausgabe der "Zeit" vom 15. Juni) die "Interessengemeinschaft der Inhaber von Krediten mit Reichsgarantien" maßvoll und vernünftig bereits in die Diskussion eingegriffen. Es beruft sich eben jeder, wenn es sich um Rechte handelt, auf die alten Gesetze, während er Verpflichtungen unter Berufung auf die durch den Zusammenbruch geschaffene Lage nicht mehr gelten lassen will. Das wirft man ja selbst dem Staat vor. Auch die Banken sind davon nicht freizusprechen; siehe "steckengebliebene Überweisung".

Zum Schluß noch eine Spezialfrage: Die Banken haben, wie bekannt, für die Diskontierung von Handelswechseln bestimmte Diskont- und Provisionssätze festgesetzt. Diese sind nicht nur in den einzelnen Ländern verschieden, sondern es wird auch innerhalb eines Landes von den Banken von Fall zu Fall unter diesen Sätzen diskontiert. Die Folge davon ist, daß Firmen in zunehmendem Umfange bei Regulierung durch Akzept an ihre Lieferanten das Ansinnen stellen, den Abschnitt mit ihrer Aussteller-Unterschrift zu versehen und ihnen dadurch die günstige Diskontierung bei ihrer eigenen Bank zu ermöglichen. Die Diskontierung von Kundenwechseln war nach dem Wettbewerbsabkommen der Kreditwirtschaft unerwünscht und wurde später sogar verboten. Aus wettbewerblichen und kreditpolitischen Gründen sollte verhindert werden, daß der Akzeptant an Stelle des Ausstellers oder Remittenten darüber bestimmt, welchem Kreditinstitut der Wechsel zum Diskont angeboten wird. Die Banken sollten zu dieser Übung, keine Wechsel vom Akzeptanten hereinzunehmen, zurückkehren, da alsdann die oft unangenehmen Auseinandersetzungen zwischen Kunden und Lieferanten bei der Hergabe von Akzepten vermieden werden. W. M.