Von Wolfgang Menge

Im Hamburger Amerika-Haus saßen an einem runden Tisch vier Männer. Um sie herum saßen Ehemänner, Ehefrauen, Liebespaare, drei schweigsame Amerikanerinnen, ein Schwede und eine Dame unbekannter ausländischer Nationalität. Die vier Männer am Tisch saßen dort als Vertreter von Frankreich, Großbritannien, USA und Deutschland. Sie hatten sich, wie angesagt wurde, "mit dem Mut der Verzweiflung und auf Grund mehr oder weniger bitterer Erfahrungen bereit erklärt, ihren Standpunkt zum Thema ‚Der Mann in der Familie‘ mannhaft zu behaupten."

Die vier Männer waren: F. S. Leigh-Brown, Mitglied der Erziehungsabteilung in der Britischen Kontrollkommission Hamburg. Drüben war er 19 Jahre Schulmeister; man sah es ihm nicht mehr an. Er wohnt in einer kleinen Wohnung in Hamburg-Harvestehude mit seiner Frau und seinen beiden Kindern. Am auffallendsten waren seine schmalen weißen Hände. Vielleicht waren sie so weiß, weil er jeden Abend selbst seine Kinder badet. Dr. Etienne Guillot ist ein Mitglied der Kulturmission des französischen Generalkonsulats in Hamburg. Er war der jüngste der vier und redete nur, wenn er sicher war, daß er etwas wußte. Der Amerikaner Hallick Rose war seit 19 Jahren in diplomatischen Diensten, aber noch nie hatte er, wie er erzählte, eine so verzwickte Aufgabe zu lösen gehabt, wie an jenem Abend. Eine der drei auffallend eleganten Amerikanerinnen im Saal war seine Frau. Am Nachmittag zuvor hatte er einige Landsleute gefragt, was er denn am Abend vom amerikanischen "Mann in der Familie" sagen solle. "Erzähle einfach, daß alle amerikanischen Ehemänner under the dog-house (Pantoffelhelden) sind", hatten ihm die Freunde geraten. – Ganz rechts schließlich saß der Deutsche, Franz Reinholz, Leiter der ausgezeichneten Abteilung Schulfunk im NWDR, Hamburg. Er kannte sein Publikum und sprach in Merksätzen.

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Durchs Los wurde die Reihenfolge entschieden, in der die Herren zu Worte kommen sollten. Herr Reinholz hatte Glück. Er durfte beginnen. Und dies ist eine Auswahl aus seinen mit Humor vorgetragenen Sätzen über den "Mann in der Familie":

1. Bis zur Geburt des ersten Kindes liebt der deutsche Mann seine Frau.

2. Bis zur Geburt des zweiten Kindes ist für ihn die Familie (Frau und Kind) Heimat.