Jede Zentralbank kann gegen 35 $ eine Unze Gold beim amerikanischen Federal Reserve Board, als dem Agenten des Schatzamtes der USA, kaufen. Aber der Dollar von vorgestern ist – immer wieder Korea – nicht der Dollar von heute. Seine Kaufkraft ist geringer geworden. Was Wunder, daß die leichte Dollarinflation den Goldpreis an den freien, grauen, schwarzen und inoffiziellen oder halboffiziellen Märkten in die Höhe treibt. Es ist ja auch nicht außer acht zu lassen, daß Gold viel neutraler ist als so eine Dollarnote – in politisch labilen Zeiten für manche sehr wichtig ...

Weil also Dollar zu billigem Zins zu erhalten und somit bei der Rüstungshausse relativ bequem zu verdienen sind, Gold aber gesucht wird, ist "freies" Gold teurer geworden. In Europa zahlt man statt des offiziellen Satzes bereits 40 bis 43 $, an den gefährdeten Punkten, wie beispielsweise Hongkong, selbst 47 S. Das bedeutet eine inoffizielle Dollarabwertung um 25 v. H.

Dieser Unterschied zwischen freiem und gestopptem Goldpreis verführt selbstverständlich zu allerlei Transaktionen. 400 000 Unzen verkauft im Monat die Südafrikanische Union "frei". Der Kongo zieht mit. Selbst die französische Zentralbank ist im Spiel: gegen die internationalen Spielregeln, so sagen die einen – "Paris macht mit amerikanischem Einverständnis aus der Not eine Tugend", so sagen die anderen. Tatsache ist jedenfalls, daß Frankreichs Notenbank die Unze Gold für 42 $ verkauft, aber selbst in der Lage ist, sich die Unze für 35 $ in den USA wiederzubeschaffen. Ein Geschäft? Oder wirtschaftspolitische Notwendigkeit? Man hört, Paris bringe sein Gold auf den Markt, um durch vermehrtes Angebot den Dollarkurs nicht allzusehr absinken zu lassen. Das mag zutreffen. Aber daß Frankreich an seiner"Hilfestellung" gehörig verdient, trifft ebenfalls zu. Ob berechtigt oder nicht – die Ursache liegt in erster Linie bei der Dollarpolitik der Vereinigten Staaten. Solange die amerikanische Schulden Verwaltung, die für "billiges Geld" ist, den Federal Reserve Board, der offiziell die Verantwortung für die Dollarstabilität trägt, im Schlepptau hat, wird Gold teurer sein, als es den USA gefällt. Weinstein