Von Franz Bengtsson

Daß ein Ehemann nie imstande sein kann, sachlich und unparteiisch eine Theorie über die positiven Seiten der Ehe vorzubringen, ist klar. Er vermag aber sehr wohl durch sein ganzes Auftreten und sein Wesen als ein völlig überzeugendes, praktisches Argument zu wirken – als eine imponierende Propagandaerscheinung für die Vortrefflichkeit der Institution, in der er vor Anker gegangen ist. Ich kenne ein paar – nicht sehr viele – solcher Männer, die nach reiflicher Erwägung aus der dunklen Sphäre einer Junggesellenexistenz aufgebrochen sind, um hinüber zu ziehen in das merkwürdig effektive, eheliche Idyll.

In ihrem Naturzustand waren sie ebenso schlichte Charaktere wie wir alle: faul, prinzipienlos, Freunde später Stunden, furchtbar in jeder Diskussion durch ihr Andreschen des Gegenstandes bis zum Äußersten. – bittere Antagonisten aller Abmachungen; Burschen ohne Maß und Gleichgewicht; durstige Männer, polygame Männer, Männer mit kopflosen finanziellen Methoden, bereit, sich ständig der ersten besten Versuchung zum Opfer zu bringen ohne viel Zeit an seelische Konflikte zu verschwenden.

So habe ich sie gekannt – und wie sind sie nun? Ihre Augen haben einen Schimmer sanfter Zerstreutheit, ihre Wangen die Farbe des guten Gewissens; und ihre Stirnen verraten Umsicht und Verstand. Sie reden von ihren täglichen Beschäftigungen, als seien sie ihnen lieb, und vom menschlichen Leben im allgemeinen als von einem Vorgang, den sie bisher leider unterschätzt hätten. Sie wissen instinktiv, wie spät es ist und versuchen, ohne unwillig zu werden, sich nach dem Zeigefinger der Uhr zu richten; mitunter auch gehen sie ohne jede begreifliche Veranlassung mitten im Gespräch davon. Ein einziges Glas Whisky mag nunmehr dank ihrer vorsichtigen Behandlung stundenlang vorhalten, und über die Anzahl der Zigaretten, die sie geraucht haben, führen sie aus Prinzip genau Rechnung. Es ist ihnen möglich, auch mit den schönsten Tischdamen einen Gesprächston abstrakter Liebenswürdigkeit aufrechtzuerhalten, und der Abschied von ihnen ist für sie ebenso schmerzlos, als seien sie sich ihrer Existenz kaum bewußt gewesen. Sie tun keine zynischen Aussprüche mehr und verfallen nur selten noch in lauten Gesang; dagegen reden sie gern von dem, was sie morgen zu tun gedenken – und das hindert sie nicht, es auch wirklich zu tun. Sie sind glücklich; sie sind bessere Menschen geworden, und das wahrscheinlich nicht durch Dressur, sondern durch einen spontanen Prozeß, der mit den Segnungen der Ehe zusammenhängt. Ja, es mag vorkommen, daß der verblüffte Betrachter das Gefühl hat, mitten hinein in die Welt der Wunder zu starren, wenn er auf einem Sonntagsdampfer plötzlich einen solchen umgewandelten Kameraden zwischen strahlender Gattin und zwitschernder Schwiegermutter placiert sieht, wobei er obendrein eine Tasse Tee mit einem Zitronenscheibchen darin mit ungekünstelter Laune in die Lippen führt. –

Jedoch auch für diese Glücklichen kann es Augenblicke geben, da ihre Seelen aufschrecken und sich unruhig winden; wenn nämlich das Glück, nach dem sie geschnappt und das sie sich in Gemüte geführt haben, plötzlich als einen Haken in ihrem Inneren empfunden wird. Trotz völlig intakt bleibender, warmer Hochachtung für den Fischer, der sie ans Land gezogen hat, läßt es sich nicht vermeiden, daß ein Sehnen sie blitzschnell durchzuckt: zurückzukehren in das trübe Gewässer, aus dem man sie emporgehißt hat. Ich denke hier keineswegs an wirklich disharmonische Ehen, von denen hier überhaupt nicht gesprochen werden soll, sondern nur an solche, die so geglückt sind, wie das in einer unvollkommenen Welt überhaupt möglich ist; und ich denke dabei auch nur an eine ganz bestimmte, sehr einfache und wahrscheinlich sehr häufige Situation, die mir mitunter auffiel, wenn ich als harmlose Nebenfigur mit dabei war.

Das ist die dreieckige und für den glücklichen Ehemann schwer zu meisternde Situation, die leicht entsteht, wenn er eine Anzahl seiner Jugendfreunde – die noch immer unverheiratet und also in Sprache und Gewohnheit ihrem Zustand entsprechend verwildert sind – eines Abends in das Heiligtum des ehelichen Idylls eintreten läßt, um mit ihm und der jungen Gemahlin Speise und Trank einzunehmen.

Da versinkt der junge Ehemann nach kurzer Zeit in einen Zustand von Melancholie und Zwiespalt, denn er hat es mit zwei Partnern zu tun, die ihn nach entgegengesetzten Richtungen ziehen und ihn von ganz verschiedenen Seiten her kennen und verstehen. Er kann nicht mit seiner Frau so rtden, wie er es gewohnt ist, denn seine alten Freunde hören zu, und hinter ihren höflichen Mienen wittert er Neigung zu rauhbeinigem Sarkasmus; und er kann nicht, wie einst, mit seinen Freunden reden, weil seine Frau zuhört, die aus Gesprächen über Dinge, zu denen sie keine Beziehung hat, rettungslos ausgeschlossen wäre. Denn würden diese Dinge, so wie es sich gekört abgehandelt, dann müßte sie sich als fünftes Rad am Wagen fühlen oder auch wie ein zweitklassiger Zeitvertreib, den man plötzlich vergessen hat. Womöglich ist sie noch dazu eine feine und edle Natur und an eine gute Portion guten Tones in der Unterhaltung gewöhnt; wogegen die alten Freunde in bedauerlicher Gedankenlosigkeit und nachdem sie eine Zeitlang Erfrischungen genossen haben, ihre Zunge nicht mehr im Zaum halten. Diverse idiotische Einfälle, Zitate, Andeutungen an gemeinsame Erlebnisse, Anekdoten, literarische Urteile, die nicht durch die Presse verbreitet werden können, psycho-analytische Blitzanalysen und plump vorgebrachte Entschuldigungen für stärkere, im Eifer mit unterlaufene Kraftausdrücke bewirken bald, daß das Herz der Hausfrau sich mit Unruhe und Besorgnis erfüllt, während das Lächeln ihres Mannes mehr und mehr einen gewissen elegischen Einschlag bekommt.