General Eisenhowers Blitzreise durch die Hauptstädte der europäischen Mitgliedstaaten des Nordatlantik-Paktes ist zu Ende. Ihr wichtigster militärischer Zweck war es, festzustellen, wie viele Truppen die einzelnen Mitgliedstaaten dem "Obersten Befehlshaber der Alliierten Truppen in Europa" sofort oder in naher Zukunft geben können.

In Paris erfuhr der General, daß die französische Regierung ihre in Deutschland und Österreich stationierten drei Besatzungsdivisionen ab sofort seinem Befehl unterstelle. Zwei weitere Divisionen würden in Kurze nach Deutschland gelegt. Darüber hinaus sollen noch in diesem Jahre fünf neue Divisionen erstehen, und schließlich plant Frankreich, seine Landstreitkräfte bis zum Jahre 1953 auf zwanzig Kampfdivisionen zu bringen, deren Aufstellung jedoch von der Lieferung der erforderlichen Ausrüstung durch die Vereinigten Staaten abhängig ist.

Ähnlich liegen die Verhältnisse in Belgien. Die dortige Waffenindustrie produziert zwar leichte Wafen in großen Mengen, sie ist jedoch nicht in der Lage, schwere Waffen zur Ausrüstung der auf 150 000 Mann verstärkten Wehrmacht zu liefern, so daß die Aufrüstung auch hier von USA-Waffen abhängig ist. Die belgische Regierung hat sich bereit erklärt, Eisenhower spätestens bis 1952 drei Divisionen für die Nordatlantik-Armee zu bieten.

Sein Besuch in Holland war für Eisenhower eine Enttäuschung, da das Land über keine nennenswerten stehenden Einheiten verfügt und bis Ende 1951 nur drei "mobilisierbare" Divisionen zustande kommen sollen. Verteidigungsminister Hendrikus L. S. Jacob konnte dem General jedoch noch nicht einmal bindende Zusagen über die Durchführung dieses Programms Sieden. Er gab nur seiner Hoffnung Ausdruck, daß durch eine Erhöhung der einjährigen Dienstpflicht etwa 15 000 Mann zum Dienst in Deutschland frei würden.

In Kopenhagen bemühte sich die dänische Regiering, den General von ihrem guten Willen so überzeugen. Sie stellte ihm das zur Zeit in Deutschland unter englischem Oberbefehl stehende Regiment zur Verfügung. Durch Erholung der einmonatigen Dienstpflicht hofft sie außerdem, Eisenhower bald eine Division von 12 000 bis 14 000 Mann anbieten zu können. Auch in Norwegens Hauptstadt Oslo hörte der General nichts von nennenswerten Truppenkontingenten.

Der Besuch in London war für Eisenhower hingegen erfreulich. Hier erhielt er nicht nur Divisionen für seine Nordatlantik-Armee, sondern auch die Gewißheit, daß Englands Bereitschaft zur Verteidigung Westeuropas derjenigen der Vereinigten Staaten nicht nachsteht. Die Nachricht, daß die zwei englischen Divisionen in Deutschland seinem Kommando unterstellt wurden, hatte Eisenhower bereits bei seiner Ankunft in Paris erhalten. In London würde ihm offiziell von der englischen Regierung mitgeteilt, daß diese Streitkräfte bis zum Juni dieses Jahres auf vier Divisionen erhöht werden sollen. Die Regierung beabsichtigt außerdem, zwölf Divisionen der Territorial-Armee auf Kriegsstärke zu bringen. In der ersten Februarwoche wird die Regierung dem Parlament eine Nachforderung für den Wehretat in Höhe von 750 Millionen Pfund vorlegen, so daß sich der für drei Jahre vorgesehene Gesamtetat auf 4325 Millionen Pfund erhöht. Das Waffenherstellungsprogramm soll beschleunigt und vergrößert, für schwere Panzer, Düsenflugzeuge und Geschütze sogar verdoppelt werden.

Von London flog Eisenhower nach Lissabon. Portugal kann wegen seiner zahlenmäßig geringen Bevölkerung keine besonderen Truppenkontingente geben. Es ist aber dasjenige europäische Land, das für eine russische Invasionsarmee am weitesten entfernt ist. Daher ist es der vielleicht wichtigste Brückenkopf für die Vereinigten Staaten.