Stuttgart, im Januar

In den zwanziger Jahren war die alte französische Operette"Giroflé-Girofla" von Lecocq in der Inszenierung Tairoffs nochmals ein großer Erfolg. Peter Hamel hat sie jetzt mit dem Recht des einfallsreichen Theatermannes der Gebrauchsware gegenüber im Schauspielhaus der Württembergischen Staatstheater nur als Vorlage für entfesseltes komödiantisches Theater benutzt. Allein das Handlungsgerüst von Vanloo und Leterrier blieb von 1874. Sonst ist alles von heute. Auch die Musik von Lecocq wurde von Rolf Reinhardt für zwei Flügel recht frei bearbeitet und die Dialoge von Thaddäus Troll wie die neuen Gesangstexte von Janne Furth nehmen ihre oft liebenswürdig-boshaften\ Wirkungen aus unserer Zeit, die dafür ja Stoff genug liefert. Lediglich im zweiten Teil ermattet ihr kabarettistisches Sprühfeuerwerk. Darüber kann dann auch Hamels temperamentvolle Inszenierung, die Oper, Operette, Ballett, Schauspiel und die (von Leni Bauer-Ecsy apart und luftig gebaute) Szene keck ineinandergreifen läßt, nicht immer hinwegreißen trotz der kapriziösen Elsbeth von Lüdinghausen in der Doppelrolle der Zwillinge und den beiden ausgezeichneten Komikern Max Mairich und Heinz Reincke. Hermann Dannecker