Gegen Mitternacht fiel die heimliche Kriegs-

front in Ruhe, und es wurde, bis auf einen vereinzelten Gewehrschuß am anderen Ufer, wieder ganz still. Nur die Scheinwerferstrahlen tasteten nimmermüde von allen Türmen, gleichsam um Christus zu fangen. Der aber war schon zur Herberge in vielen Herzen, ohne daß die Wächter es wußten..." Mit diesen Worten schlägt der baltische, jetzt in der Schweiz lebende Dichter Edzard Schaper den Grundton seiner ergreifenden Novelle "Stern über der Grenze" an (bei Jakob Hegner in Köln, 60 S., Leinen DM 3,–). Sie spielt, wie schon manche seiner Romane, nahe der sowjetischen Grenze im Baltikum. Der Bauer Semjon zieht am Weihnachtsabend aus, um seinen Kindern Feuer zu holen, und gerät dabei in die Garben der Grenzposten. Tiefe Frömmigkeit gaukelt dem verwundet Erfrierenden die von Licht umflossene Gestalt des Heilands vor, der gekommen sei, ihn zu holen – und der dann auch wirklich die vaterlos gewordenen Kinder in Sicherheit bringt. Jene stille und tröstliche Gläubigkeit, die alle Bücher Schapers kennzeichnet, glänzt in dieser kostbaren kleinen Erzählung wahrhaft als "Stern über der Grenze". I. H.