Erzählung von Franz Dattner

Ich kam nach Hause, und es noch merkwürdig aus der Küche. Es roch nach Huhn. Um es genau zu sagen: es duftete nach Huhn.

Meine Frau stand in der Küche und hatte eine Schürze umgebunden, etwas, was sie nur bei feierlichen Anlässen tat. Ich konnte mich irren, aber sie erschien mir verweint. Ihr Gesicht war rot und ihre blauen Augen feucht. Es konnte allerdings auch die Hitze aus dem Ofen sein.

"Was bedeutet das?" fragte ich. "Heute ist doch Mittwoch? Es riecht nach Huhn?"

"Es riecht nicht nur", sagte sie leise, "es ist ein Huhn." Und sie öffnete zögernd die Ofentür, und das Huhn bruzelte und zischte und schwamm in Butter. Es war ein wunderbares großes fettes Huhn, bereits knusprig und goldfarben angelaufen. Ich starrte meine Frau an. Auch sie starrte mich an. Eine große dicke Träne begann langsam ihre Wange herabzurollen...

"Ich hatte einen schrecklichen Traum", flüsterte sie. – "Einen Traum?" – "Einen Traum", sagte sie. "Jemand rief an und sagte, ich möchte sofort ins Spital kommen, es wäre dir etwas zugestoßen. Zuerst glaubte ich, du hättest einen Unfall gehabt, eine Kleinigkeit vielleicht. Ein gebrochenes Bein zum Beispiel." – "Sei so gut", sagte ich. – "Oder es fiel dir auf der Straße etwas auf den Kopf. Aber wie ich im Taxi war, hatte ich plötzlich das Gefühl, es müßte etwas Ernstes sein. Auf dem Korridor im Spital brannten furchtbar viele weiße Lampen, und du weißt, ich kann Spitalgeruch nicht ausstehen."

"Schließe die Ofentüre oder das Huhn wird anziehen." Sie gehorchte. "Was geschah weiter?"