Das Wirtschaftsleben Indonesiens – seit einem Jahr ist die Republik souveräner Staat – wurde vor dem Kriege überwiegend von den USA, Großbritannien und den Niederlanden beherrscht. Doch jetzt haben sich die Verhältnisse grundlegend geändert. Man kann annehmen, daß in Zukunft einige der bisherigen Lieferländer nicht mehr den bevorzugten Platz einnehmen werden.

Indonesien ist ein Land von fast 1,5 Mill qm Größe und verfügt über eine Bevölkerung von 70 Millionen. Ihre Arbeitsleistung erreicht Spitzenquoten in der Erzeugung von kolonialen Rohprodukten und Grundstoffen. Da das Land eine fast unbegrenzte Aufnahmefähigkeit von Halb- und Fertigfabrikaten besitzt, bietet es Deutschland sehr günstige Handelsmöglichkeiten.

Während der Export Indonesiens im Jahre 1938 kaum 685 Mill. hfl betrug und der Import sich auf 450 Mill. hfl belief, stiegen diese Ziffern im Jahre 1948 bei Berücksichtigung der angezogenen Weltmarktpreise auf rund 1 Mrd. Gulden beim Ex- und auch beim Import. Dabei aber muß in Rechnung gestellt werden, daß der augenblickliche Produktionsstand des Landes noch nicht annähernd die Hälfte der Vorkriegsleistung erreicht hat. Die Ursache ist darin zu suchen, daß während der japanischen Besatzung etwa 20 000 Maschinen vernichtet oder aber anderen Zwecken zugeführt worden sind. Welche Rolle Japan künftig im Handel Indonesiens spielen wird, kann im Augenblick noch nicht übersehen werden. Wahrscheinlich aber wird Japan den europäischen Interessenten am indonesischen Markt in absehbarer Zeit wieder scharfe Konkurrenz bieten.

Diese Feststellung geht vor allem Westdeutschland an, das am 5. Januar mit Indonesien ein Warenabkommen paraphierte. Es hatten bereits im Dezember Besprechungen mit einer indonesischen Delegation zur Vorbereitung des Handelsabkommens stattgefunden, die dann in den ersten Januartagen erneut aufgenommen worden waren. Auf der Ausfuhrseite stehen: Fertigwaren und Halbzeug aus der Eisen- und Stahlproduktion einschließlich Walzwerkerzeugnisse für 58,5 Mill. hfl (24 v. H.), Maschinen, Lokomotiven, Kraftwagen und Fahrräder für 53 Mill. hfl (21,7 v. H.), chemische Erzeugnisse für 25 Mill. hfl, Kleineisenwaren für 24 Mill. hfl, feinmechanische und optische Instrumente, Textilien, Papier, Glas- und Tonwaren, Bleistifte und andere Konsumgüter für 23,4 Mill. hfl Erzeugnisse der Elektroindustrie für 14,5 Mill. hfl. Außerdem wurde ein Generalkontingent zur Förderung des gegenseitigen Warenaustausches in Höhe von 15 Mill. hfl (6,2 v. H.) vereinbart; es ist für eine Reihe von Waren bestimmt, an deren Ausfuhr nach Indonesien Westdeutschlands Wirtschaft besonders interessiert ist; Lkw, Dreiradlieferwagen, Schmuckwaren, Musikinstrumente sowie Erzeugnisse der holzverarbeitenden und der graphischen Industrie.

Westdeutschland wird aus Indonesien allein für 100 Mill. hfl (41 v. H.) Kautschuk einführen. 62,5 Mill. hfl entfallen auf Ölfrüchte und Ölsaaten, 21 Mill. hfl auf Reinzinn. Unter den restlichen 46,7 Mill. hfl sind Tabak (15 Mill. hfl), Kaffee (12 Mill. hfl) sowie Tee und Stuhlrohr (je 5 Mill. hfl) enthalten. Es kann erwartet werden, daß dieses Abkommen, das mit Wirkung vom 1. November 1950 in Kraft treten soll, eine günstige Aufwärtsentwicklung des deutsch-indonesischen Handels einleitet, zumal Westdeutschland auf Güter indonesischen Ursprungs die Liberalisierung anwendet und auch in Indonesien für deutsche Güter eine Freiliste mit einem sehr vereinfachten Einfuhrverfahren ohne jede mengenmäßige Begrenzung besteht. Sch!We.