Göttingen, im Januar.

Der italienische Autor Valentino Bompiani wollte ein "Drama des Gewissens" schreiben. Sein Schauspiel "Heimkehr", das in Göttingen zur deutschen Erstaufführung kam, wirft in der Tat eindringliche Gewissensfragen auf, denen auszuweichen allzu bequem wäre.

Das Stück handelt von dem Kriegsheimkehrer Mario. Inmitten von Unmenschlichkeit und Grausamkeit hatte er den Unterschied zwischen Gut und Böse verlernt. Albertina, seine Frau, lebt bei einem anderen verheirateten Mann, obwohl sie nie aufgehört hat, Mario zu lieben. Gerade um seinetwillen wollte sie ein neues Kind, denn ihr erstes wurde von Bomben getötet. Von dieser Situation aus gestaltet Bompiani ein Stück, das den Weg der beiden rückläufig nachzeichnet: die Tage der Verzweiflung und des Kummers, den Tag der Trennung und die Tage des Glücks einer jungen Ehe. Zum Schluß finden sich Mario und Albertina in ihrer zerstörten Wohnung wieder. Sie waren sich fremd geworden – nun haben sie sich an der Prüfung der Frage: "Wie konnte dies alles geschehen" wiedererkannt in ihrem Schmerz. Geduld und neue Liebe werden die Zukunft bestimmen.

Bompiani hat sein Schauspiel, das außer in Italien auch in Paris und New York Erfolg hatte, mit sicherem Blick für den dramatischen Effekt gebaut. So wurde es auch von Helmut Henrichs inszeniert. Klaus Behrendt als Mario überzeugte durch schlichte Menschlichkeit.

Werner Schwier.