Wien, Anfang Januar Max Mell hat nun dem ersten Teil seiner Nibelungen-Dramatisierung, der Siegfrieds Tod gestaltete, "Kriemhilds Rache" als zweiten und abschließenden Teil folgen lassen. Das Wiener Burgtheater bereitete auch diesem Werk mit einer Elite-Besetzung einen großartigen Start. – Wieder ist die Einheit von Ort und Zeit gewahrt, aber auch in der erbarmungslos geketteten Schicksalsfolge ist das große Vorbild Mells zu spüren: Sophokles. Daß Mell Hebbel, aber auch Wagner vor allem zum Vergleich herausfordern konnte, ist nicht zuletzt seiner Idee zu verdanken, in Volker einen Lichtträger innerhalb wütenden Mordwahns zu sehen und Dietrich zum epilogischen Anrufer der Ordnung Zu wählen, deren Gesetz, so verkündet Mell, mitten durch das Herz des Menschen geht. R.