Unter dem Namen Adrian Hulshoff erschien im Jahre 1949 in Holland der in Curaçao spielende Roman "Dürstendes Paradies", dessen deutsche Ausgabe im Vorjahr im Ullstein-Verlag zu Wien herauskam. Der Verfasser ist in den Niederlanden unbekannt. Die holländische Staatsanwaltschaft jedoch meint, das Rätsel gelöst zu haben: Das "Dürstende Paradies" kann nur von Jo van Ammers-Kueller geschrieben sein, so sagt sie, und hat gegen die Schriftstellerin Anklage erhoben. Denn Frau van Ammers-Kueller hat bis zum 1. Juli dieses Jahres von einem holländischen Ehrengericht Schreibverbot erhalten. Ihr holländischer Verleger glaubte, die Situation zu retten, indem er ihre auf Curaçao lebende Schwiegertochter zum Adrian Hulshoff machte. Aber die Schwiegertochter versicherte an Eides Statt, mit dem "Dürstenden Paradies", soweit es sich literarisch verdichtete, nicht das geringste zu tun zu haben. So bleibt denn Jo van Ammers-Kueller das Vergnügen, zu beweisen, daß sie nicht die Mutter ihres literarischen Kindes ist, was noch schwerer sein dürfte, als das Gegenteil. Dabei benötigte Krawtschenko schon Monate, um als literarischer Vater anerkannt zu werden.

Bis jetzt behauptet sie, den strittigen Roman, dessen Helden holländische Widerstandskämpfer sind, nur überarbeitet zu haben. Das Pseudonym des Autors will sie nicht lüften. Die literarischen Sachverständigen Hollands beglaubigen aber, trotz der Widerstandskämpfer, die Autorschaft der Ammers-Kueller. Und diese Beglaubigung dürfte ihnen nicht schwergefallen sein. Denn die holländischen Damen auf der tropischen Insel sind – obwohl nur ein schwacher Aufguß ehemals kräftigen Extraktes – unverkennbar made by Ammers-Kueller. Bleibt also abzuwarten, wie sich die schon einst so produktive Schriftstellerin in dem Prozeß, der im März in Holland abrollen soll, aus der Affäre zieht. h. s.