Theodor Wieseler in Nürnberg, der zu Beginn dieses Jahrhunderts sein Großhandelsgeschäft mit Glas-, Porzellan-, Haushalt- und Eisenwaren aufgab, um sein Ein Einzelhandelsgeschäft der gleichen Branche am Leben zu erhalten, fand, daß gegen die Konkurrenz der Warenhäuser und Versandgeschäfte nur ein genossenschaftlicher Zusammenschluß für einen gemeinsamen Einkauf helfen könne. So entstand der „Nürnberger Bund“, der seinen Sitz seit langen Jahren in Essen hat, weil im Industrierevier die meisten Lieferanten sitzen, zu denen beispielsweise das Alexanderwerk, die Hersteller von Weckgläsern, die oberfränkischen Porzellanfabriken und die Solinger Besteckindustrie gehören. Bei der Gründung waren es 72 Mitglieder. Heute zählt diese Genossenschaft fast 800 Firmen von denen die 51 ausländischen jetzt wieder einen umfangreichen Warenverkehr entwickeln, während die 129 Mitgliedsfirmen in der Ostzone einen immer aussichtsloser werdenden Kampf um ihre Existenz führen.

Im Frühjahr und Herbst ziehen die Verkaufsbörsen des „Nürnberger Bundes“ die selbständigen Einzelhändler und die Einkäufer in die alte Reichsstadt. Die Fabrikanten suchen hier meist selbst den Kontakt zu ihren Kunden. Das dreitägige, sehr lebendig-rege Verkaufsgespräch zeigte in diesen Tagen wieder einmal, wie notwendig nach der lebhaften Geschäftstätigkeit des Fachhandels die Bedarfsdeckung geworden ist. Kohlen- und Eisenpreiserhöhung beeinflussen die Preise, Materialknappheit und Energielage die Lieferfristen. Trotzdem kann in Eisen-, Stahl-, und Metallwaren die Lieferung noch Verhältnismäßig kurzfristig erfolgen. Die Glas- und Porzellanindustrie nennt dagegen wesentlich längere Lieferfristen. –el