In der Firma Kampf & Spindler in Hilden (Rheinland), einem mehrstufigen Textilunternehmen, das über Spinnereien, Färbereien und Webereien für Stapelware verfügt, ist seit dem 1. Januar das „Mitunternehmertum“ eingeführt worden. Die 2500 Beschäftigten dieser Werke erhielten am Neujahrstag 1951 einen Monatslohn als Geschäftseinlage auf Beteiligungskonto ihrer Firma gutgeschrieben, der Gesamtbetrag machte 25 v. H. des Steuergewinns der Firma für 1950 aus. Alljährlich soll aus dem Steuergewinn ein Teil als „stille Beteiligung“ der Belegschaft zurückgelegt und entsprechend verzinst werden. Hand in Hand mit dieser Beteiligung geht das Recht auf Mitbestimmung und Mitverantwortung: Bilanzeinsichtnahme, Berichterstattung über Geschäftslage und Pläne der Unternehmungsleitung sowie Abstimmung über künftige Kapitalinvestitionen. Aber auch Verluste soll der neue Mitunternehmer tragen. Sie werden von seiner Einlage abgebucht; übersteigen sie diese Einlagen, bleiben sie buchmäßig zu seinen Lasten. Eine nachträgliche Einlageleistung ist nicht vorgesehen; vielmehr sollen diese Lastschriften bei später erreichten Gewinnen aufgerechnet werden. Der Tariflohn, den die Firma durch eine Leistungsanalyse verfeinern will, bleibt von dieser Partnerschaft unberührt.

Um zu verhindern, daß sich jemand gegen seinen Willen an einer Investition beteiligt sieht, die er für falsch hält, sollen derartige Beschlüsse auch auf Teile der Belegschaft und des Betriebes begrenzt bleiben können. Wer seinen Anteil nicht mitwirken lassen will, nimmt später auch nicht an etwaigen Gewinnen aus einer solchen Werkserweiterung teil.

Man weiß in Hilden natürlich, daß man Neuland betritt, obwohl ähnliche Beteiligungsversuche aus der Vergangenheit und Gegenwart vorliegen. Gert Spindler selbst wirbt durch die „Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Partnerschaft in der Wirtschaft für seinen Gedanken. Er will Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus der „Diktatur der Funktionäre“ lösen. Was er als Voraussetzung dabei annimmt, ist die Aufklärung der Belegschaft, ihre Erziehung zum Mitdenken, zur Reife der Entscheidungsfähigkeit im Betriebe. Er will die „Abhängigkeit des Arbeitnehmers vom Arbeitgeber“ beseitigen, wobei man allerdings kritisch anmerken muß, daß seine eigene Belegschaft nicht etwa die Wahl hat, den gutgeschriebenen Gewinnanteil sich in bar auszahlen oder ihn als Einlage stehen zu lassen: sie bleibt in ihrer Entscheidung von dem Beschluß Spindlers abhängig, daß diese Beteiligung die einzige Form sein darf, durch die der Angehörige seines Unternehmens den ihm zur Verfügung. gestellten Gewinnanteil verwenden kann.

Die Mitbestimmung selbst, die sich aus dieser Mitunternehmerschaft ergibt, soll nach „Leistungsstufen“ gestaffelt sein, die Höhe der im Betrieb geleisteten Arbeit bestimmt also das Maß der Mitentscheidungsbefugnisse. Dem von Gert Spindler eingeleiteten „Kreuzung“ gegen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände haben sich bisher 200 Unternehmer angeschlossen, die z. T. bereits in diesem Jahr ähnliche Partnerschaftsverträge mit ihren Belegschaften abgeschlossen haben. – cht.