Von Horst v. Zitzewitz

Die "Zeit" hat in ihrer vorigen Ausgabe von einer Siedlung der Herrnhuter Gemeinde im Emsland-Moor berichtet, die in der Kraft des Glaubens aus Ödland fruchtbare Äcker schafft. Die Kraft des Volkstums kann ähnliche Wirkung haben: so soll heute gleichsam als Nachtrag, über die Siedlung ostpreußischer Bauern in der Eifel berichtet werden.

Nur zwei-, dreimal im Jahr kommt Leben in die Wälder rund um die Hohe Acht, den Primus der Eifelberge: Zehntausende von Zuschauern umsäumen die kurvenreiche schwere Bergrennstrecke des Nürburgringes, wenn die Motoren der Rennwagen und Krafträder aufheulen und die Luft erzittern lassen. Danach wird es wieder für Monate still in diesem Lande. Still wie in den Ruinen der elf Dörfer in den reizvollen Nebentälern der oberen Ahr.

Es war einmal anders. Da heulten fast täglich die Motoren über den Eifelbergen. Da ließen die Explosionen der schweren Bomben die Erde erbeben. Kaum ein Haus, nur einige abseits gelegene Kapellen, überstanden diesen Bombenkrieg. Es war übrigens ein vorzeitiger, ein unblutiger Krieg. Es waren keine "Amis", die sich diese einsamen Dörfer als Ziel suchten. Die "Großdeutsche" Luftwaffe legte sie selbst in Schutt und Asche – zu Übungszwecken.

Denn Anno 1939, als dieses Gebiet zum Luftwaffenübungsplatz ausersehen und das Lager Ahrbrück angelegt wurde, war noch Frieden. Und doch mußten zweieinhalbtausend Menschen ihre Heimat verlassen. Das waren genau so viele wie die Einwohner Helgolands, die, aus gleichen Gründen, nach dem Kriege von ihrer Heimat ferngehalten werden. In der Eifel aber hat die Vernunft gesiegt: Bau- und Arbeitskolonnen brachten – Jahre danach – wieder menschliches Leben in dieses Nachkriegsdorado der Wildschweine. Und heute stehen als Gerippe der neuen, alten Dörfer bereits einige fünfzig schmucke hellgraue Höfe mit den landesüblichen blauen Dächern an den Hängen der dunklen Tannenwälder. Es ist das Werk der Landsiedlung Rheinland-Pfalz in Koblenz, die unter Leitung von Dr. Molitor trotz schwieriger Verhältnisse in so kurzer Zeit dieser Wildnis ein neues Gesicht gab.

Als das ehemalige "Wehrmachtsgebiet", das der französische Generalgouverneur freigegeben hatte, mit der alteingesessenen Bevölkerung wieder besiedelt werden sollte, ergab es sich, daß ein Großteil der früheren Bewohner die inzwischen anderswo neu aufgebaute Existenz nicht wieder aufgeben wollte und es ablehnte, in die Heimatdörfer zurückzukehren. So entstand der Gedanke, heimatvertriebene Bauern, Handwerker und Waldarbeiter hier anzusiedeln. So kamen die Ostpreußen nach Ahrbrück. Und zwar hat man ganz bewußt eine landsmannschaftlich geschlossene Siedlung angestrebt. Man diente damit nicht nur der Aufgabe von heute, die Not der landlosen Ostbauern zu lindern, sondern hält gleichzeitig Menschen zusammen, denen vielleicht eines Tages in der alten Heimat eine schwere Aufgabe harren wird.

Der Bund und das Land Rheinland-Pfalz – besser gesagt zwei Männer, die die Bedeutung, aber auch die Dringlichkeit und die Vorteile dieser Art ländlicher Siedlung klar erkannt haben, Oberregierungsrat Palmer vom Bundeslandwirtschaftsministerium und sein Kollege Dr. Grieß in Mainz – nahmen das Projekt auf. Und so kamen die Ermländer in die Eifel