Die Gewerkschaften bezweckten mit ihrer Streikdrohung bei Kohle und Eisen die Schaffung eines Präzedenzfalles im Sinne ihres Gesetzentwurfes zur Mitbestimmung. Nicht zu leugnen, daß sie ihren Präzedenzfall nun haben. Alles wirtschaftliche Geschehen soll von ihren Organisationen abhängig gemacht werden. Verständlich ist, daß sich die Unternehmer diesem Bestreben widersetzen.

In diesen Auseinandersetzungen haben sich die Sozialpartner, Arbeitgeber verbände auf der einen, Gewerkschaften auf der anderen Seite, weitgehend festgefahren. Und es ist jetzt schon – mit Sicherheit – zu sagen, daß ein Kompromiß, wenn es zustande kommt, das organische Wachstum der Industrie nachhaltig stören wird. – Angesichts dieser Entwicklung hatten sich in Altenberg am 13. Oktober 1950 zunächst 33 Unternehmer verschiedenster Produktionszweige zu einer „Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Partnerschaft in der Wirtschaft“ zusammengefunden. Heute zählt sie über 200 Mitglieder. Diese Unternehmer beginnen in ihren Betrieben echte Partnerschaft herzustellen: Entproletarisierung des Arbeiters, und zwar so, daß er verantwortungsvoll am Betriebsgeschehen teilnimmt und am Ergebnis beteiligt wird. Da man nicht alle Industriebetriebe schematisch über einen Leisten schlagen kann, entwickelt die Arbeitsgemeinschaft für jeden einzelnen Betrieb das für ihn geeignete Verfahren. Eines davon ist das von mir mit Betriebsrat und Mitarbeitern entwickelte „Mitunternehmertum“‚ das am 1. Januar 1951 in den sieben Betrieben der Fa. Kampf & Spindler, Hilden/Rhld. mit ihren 2500 Belegschaftsmitgliedern eingeführt wurde.

Unser Weg: Mit jedem Betriebsangehörigen wird ein Einzelvertrag abgeschlossen. Er wird also künftig als Einzelmensch gesehen. Aus dem Vertrag geht hervor, daß der Mitunternehmer an dem Geschäftsergebnis beteiligt ist, ebenso an den Veränderungen des Betriebsvermögens‚ also an der Substanz. Der Umfang der Beteiligung richtet sich nach seinem Leistungsanteil am ganzen Unternehmen, ist somit für jeden verschieden. Der einzelne schafft, gemäß seiner Leistung, die Werte des Betriebes und wirkt an dessen Ergebnis mit. Er hat die Möglichkeit, durch eigene Initiative die betrieblichen Verhältnisse und seine materielle und menschliche Situation zu verbessern und ist damit verantwortlicher Mitarbeiter in seinem Betrieb, Er ist nicht mehr, wie bisher, nur Nummer.

Gleichzeitig wird ihm die wirtschaftliche Mitbestimmung in den wichtigsten für die Erhaltung seines Arbeitsplatzes entscheidenden Fragen eingeräumt – mit der Bedingung, daß er die Entscheidung selbst treffen muß, sich also nicht von anderen, etwa von Funktionären, vertreten lassen kann. So muß sich der einzelne wirklich selbst mit den Dingen befassen: Zwang zum eigenen Urteil.

Für ihn wird dann aus dem Ertrag des Unternehmens eine Rücklage, z. B. in Höhe eines Monatseinkommens, gebildet, da er auf Grund seiner Mitentscheidung auch für etwa daraus entstehende Verluste mithaften muß, die aus der Rücklage gedeckt werden. Sonst wird er jedoch weder mit dem Lohn, noch mit seinem Privatvermögen für Verluste herangezogen. Über die Rücklage hinausgehende Erträge kann er sich jederzeit auszahlen lassen. Er kann sie auch als Darlehen im Betrieb belassen. Die Auszahlung der Rücklage und der Substanzbeteiligung aber erfolgt nur beim Ausscheiden oder im Todesfall.

Sollte nun zwischen Geschäftsleitung und Belegschaft – Mitentscheidungsrecht – Meinungsverschiedenheit über eine Planung bestehen, dann kann der Unternehmer unter Umständen sein Vorhaben allein durchführen – unter Sicherstellung der Rücklagen. der ablehnenden Mitunternehmer. Je nach deren Umfang wird dies zwar eine Hemmung für etwaige spekulative Vorhaben bedeuten, macht es aber doch nicht unmöglich, ein vom Unternehmer auf Grund seiner Erfahrung als sinnvoll erkanntes Vorhaben durchzuführen. Die zustimmenden Mitunternehmer (sie tragen das Risiko mit), sind an künftigen Gewinnen hieraus beteiligt.

Diese „Technik“ des Mitunternehmer-Vertrages ist auf Kommanditgesellschaft und die OHG abgestellt. Für Kapitalgesellschaften wäre entsprechend abzuändern. Diese Regelungen haben nur den Zweck, die Sozialpartner erst einmal auf eine Ebene zu führen, auf der Zusammenarbeit möglich ist. Den Umfang der Beteiligung der Belegschaft bestimmt die Bewährung des Mitunternehmertums in der Praxis.