Die deutsche Buchausgabe von Jacques Roumains, des haitianischen Dichters und Politikers, letztem Roman „Herr über den Tau“, die jetzt als Ro-Ro-Ro-Taschenbuch vorliegt (Rowohlt, Hamburg, 164 S., 1,50 DM), erschien zuerst im sowjetisch lizenzierten Ostberliner Verlag „Volk und Welt“, und Ludwig Renn schrieb das Nachwort zu der Dichtung seines Freundes aus dem mexikanischen Exil Der mulattische Autor ist jedoch kein Propagandist des Sowjetsystems gewesen. Er war ein revolutionärer Führer der Eingeborenen, eine bedeutende Erscheinung im aufkommenden Nationalismus der Kolonialvölker – und ein Erzähler von starker Anschauungskraft und Ursprünglichkeit, Die pädagogische Absicht, seine Rassengenossen von der Notwendigkeit des Zusammenhaltens zu überzeugen, kleidet er in die volkstümlich bunte Fabel von dem jungen haitianischen Maisbauern, den Sippenhaß und Blutrache daran hindern, für das ausgedorrte Land neue Wasserkräfte zu erschließen. Erst sein gewaltsamer Tod rüttelt die gegnerischen Gruppen auf und führt so zur Rettung der bäuerlichen Existenzen. Das ist in gelassener Breite sehr dicht und bilderreich erzählt, so daß der europäische Leser einen lebhaften Eindruck von den Lebensverhältnissen der Negerrepublik bekommt, ohne daß sich doch das Beschreibende vor das Dichterische, das Soziologische vor das Menschliche drängte. I. H.