Das älteste der deutschen Privatbankhäuser, von der Heydt-Kersten & Söhne, hat seinen Sitz in Wuppertal – seit dem 1. Oktober 1754. Damals war der Geld- und Kreditverkehr ein Nebengewerbe der größeren Warenhandels- und Speditionshäuser. Den „im Zug der Zeit“ liegenden Übergang vom Warenhandel zum Bankgeschäft hat von der Heydt wohl als erstes Haus vollzogen: Abraham Kersten legte den Grundstein. Der Schwerpunkt der geschäftlichen Tätigkeit lag auf dem Wechselhandel, da sich der kaufmännische Zahlungsverkehr in jener Zeit wegen des Mangels an barem Geld und wegen der Umständlichkeiten der Geldversendung fast ausschließlich auf den Handelswechsel gründete. Und die verwickelten Währungsverhältnisse und die häufigen Wertverschiebungen zwischen den einzelnen Geldsorten setzten einerseits große geschäftliche Kenntnisse voraus, boten aber andererseits einem geschickten Bankier auch lohnende Gewinnmöglichkeiten.

Daniel Heinrich von der Heydt, dem Schwiegersohn von Abraham Kersten, ist der weitere Aufstieg zu verdanken. Er entstammte einer Familie, die in 200 Jahren acht Mitglieder des Elberfelder Stadtrates, darunter fünf Bürgermeister, gestellt hatte. Auch er wurde Bürgermeister. Später bestanden enge Beziehungen zum preußischen König Friedrich Wilhelm IV.

An einem Platze wie Elberfeld, dessen rühriges Gewerbe auf ausländische Rohstoffe und auf Absatz im Ausland angewiesen war, mußte sich notwendigerweise ein starker Wechselhandel entwickeln; neben Köln, damals Metropole des Rheinlands, war Elberfeld jahrzehntelang der einzige bedeutende Bankplatz Westdeutschlands. Aber es begann auch das Kontokorrentgeschäft, später Kernpunkt bankmäßiger Tätigkeit.

1834 – Zollverein, technische Umwälzungen durch die Dampfmaschine, Verbesserung der Eisenhüttentechnik: August, Daniel und Carl von der Heydt, die Söhne Daniel Heinrichs, stehen vor völlig neuen Aufgaben. Da die Unternehmer aus eigener Kraft kaum die zum Ausbau der Betriebe erforderlichen Kapitalien aufzubringen vermochten, mußte in den meisten Fällen der Bankier einspringen. Bald konnte man erkennen, daß die bisher geübten Finanzierungsmethoden nicht ausreichten. Die Aktie und die Obligation wurden gefunden. Schon lange bevor sich die AG. bei der Industrie zur herrschenden Unternehmungsform entwickeln konnte, war sie im Verkehrs- und Versicherungswesen zur Anwendung gelangt. Hieran haben die Teilhaber des Bankhauses von der Heydt-Kersten & Söhne tatkräftigen Anteil genommen: führend bei der Errichtung der ersten Feuerversicherungsgesellschaft in Westdeutschland, der Dampfschiffahrtsgesellschaft für den Nieder- und Mittelrhein in Düsseldorf, führend beim Bau der Eisenbahnen Elberfeld–Düsseldorf und Elberfeld–Dortmund. August von der Heydt, dieserhalb zum preußischen Handelsminister berufen, legte den Grundstein zum preußischen Staatsbahnsystem. Und mustergültig finanzierte er den Krieg zwischen Preußen und Österreich.

Sein Bruder Daniel widmete sich, wie die nachfolgenden Familienmitglieder, neben seiner geschäftlichen Tätigkeit insbesondere der Elberfelder Armenpflege. Von 1878 bis 1929 war dann August Freiherr von der Heydt, Enkel des Staatsministers, als Teilhaber des Bankhauses tätig. Als sein Sohn 1943 verstarb, hatten sechs Generationen der nämlichen Familie zum Wohle des Bankhauses und Elberfelds gewirkt.

Wenn sich „von der Heydt-Kersten & Söhne“ 1911 zur Annahme einer kommanditistischen Beteiligung des Barmer Bank-Vereins entschloß, so waren hierfür familiäre Gründe entscheidend, seitdem vollzieht sich der weitere Ausbau des Bankhauses in allen seinen Zweigen in freundschaftlichen Verbindung zu diesem Institut bzw. dessen Nachfolger, der Commerzbank und Bankrerein Westdeutschland. Kurzrock