Rilkes Übertragung hat die erstmalig 1669 20 Paris gedruckten „Lettres portugaises“ berühmt gemacht. Ihr Empfänger war ein Marquis, der sich nach seiner Flucht aus Portugal kein Gewissen daraus machte, die ihm von der verlassenen Geliebten anvertrauten Geständnisse tragischer Gefühlsüberwältigung, in seine Muttersprache übersetzt, auf den französischen Büchermarkt zu bringen. Die portugiesische Nonne Mariana überlebte diese Profanierung ihrer Liebesbriefe um mehr als fünf Jahrzehnte. Offen blieb, inwieweit ihr Unrecht widerfahren sei. Hierauf antwortet unter dem Pseudonym E. M. A. Stein neuerdings eine ihrer nachgeborenea Geschlechtsgenossinnen in dem fingierten Briefband „Der Marquis de Chamilly an Mariana Alcoforado In dem Drama zwischen Nonne und Marquis haltet der unausbleibliche Gang des Schicksals. Ihr „eigenes Fundament in der Freiheit des Partners“ habe Mariana mißachtet und selbst den Marquis in das Schuld-Dilemma seiner Flucht hineingetrieben. Sie habe „nur das eigene selbstgenügsame Leuchten gemeint. Das vom Hamburger Hans Dulk Verlag bemerkenswert schmuck und anmutend hergerichtete Buch (66 Seiten, 3,80 DM) zeigt die der Liebe innewohnende Versuchung auf, die Ichbesessenheit der Leidenschaft nicht zu läutern in echte Aufgeschlossenheit für das Du. Gegen diese Verfehlung des Lebenssinnes mobilisiert die Verfasserin eine sehr frauliche Polemik des Herzens, die, auf prangendes Erleben gegründet, noch im Widerspruch, der ihr begegnen mag, der Besinnung auf eine kardinale Frage dient, Hansgeorg Maier