Von Hubertus Prinz zu Löwenstein

Die britische Regierung hat mitgeteilt, daß sie bemüht sei, den Wünschen der Bundesregierung und der Einwohner Helgolands entgegenzukommen. Sobald andere Bombenziele gefunden seien, solle Helgoland freigegeben werden, spätestens bis zum 1. März 1952.

Der britische Luftfahrtminister Henderson hatte am 9. Februar dem Abgeordneten Professor Savory die Antwort erteilt: Helgoland werde auch weiterhin als Bombenziel verwandt werden; zwar sei man dabei, sich nach einem Ersatz umzusehen, aber die Hoffnung ihn zu finden, sei nicht allzu groß. In schöner Einmütigkeit hat der Deutsche Bundestag hierauf am 14. Februar der Bundesregierung den Auftrag erteilt, die Verhandlungen zur Rückgabe der Insel beschleunigt voranzutreiben. So war für die. Mitglieder der ursprünglichen „friedlichen Besatzung“ eine neue Lage entstanden. Sie mußten die Frage beantworten, ob nun der Zeitpunkt gekommen sei, die Verpflichtung zu erfüllen, die sie bei der Räumung der Insel übernommen hatten, nämlich zurückzukehren, falls die Freigabe nicht erfolge.

Aber wie die Gewalt, so kann auch die gewaltlose Gewalt niemals Selbstzweck sein. Anderenfalls wird sie zum Unsinn und zerstört, was sie erreichen will. Während der Tage der „friedlichen Besetzung“ ist das Beispiel Gandhis angeführt worden, wie er zum Meere zog, um symbolisch das britische Salzmonopol zu brechen. Aber als es nicht aufgehoben wurde, hat er nicht neue Züge veranstaltet. Es kam darauf an, einige Körner Salz zu gewinnen, nicht aber zu beweisen, daß es auch viele Pfunde sein könnten. Vielmehr hat Gandhi mit politischen Mitteln weiterverfolgt, was durch die sinnbildliche Handlung eingeleitet worden war.

Nunmehr in die schwebenden Verhandlungen einzugreifen und die Auswirkungen des Beschlusses des Bundestages nicht abzuwarten, hätte die deutsche Politik dem Vorwurf der Doppelzüngigkeit aussetzen können. Eines der Hauptziele der „friedlichen Besetzung“, nämlich durch die Beseitigung des an Helgoland begangenen Unrechts die britisch-deutschen Beziehungen zu verbessern und damit die europäische Einheit zu fördern, wäre auf das schwerste gefährdet worden – ausschließlich zum Nutzen der Sowjetunion. Und was bisher vermieden wurde, die Schaffung einer chauvinistischen, der deutschen Stellung höchst abträglichen Stimmung im In- und Ausland, wäre unvermeidlich geworden.

Inzwischen haben nun Kommunisten den Versuch gemacht, durch eine neue Besetzung Helgolands für sich einen propagandistischen Gewinn herauszuschlagen. Doch gilt hier der alte Satz: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es nicht das Gleiche. Die ursprüngliche Helgoländer Aktion war durchgeführt worden, um für Völkerverständigung und Freiheit zu demonstrieren. Der kommunistische Streich soll der Verhetzung dienen und Unfrieden zwischen Deutschland und England säen. Doch wird ihnen dies in Deutschland und in der Welt nicht gelingen.