Wuppertal verfügt über ein Museum, dessen Bilder und Plastiken einen Ruf in ganz Deutschland besitzen; dies verdankt die Stadt den einheimischen Mäzenen und Kunstfreunden. Wie die meisten städtischen Kunstsammlungen ist auch das Wuppertaler Museum am Ende des 19. Jahrhunderts privater Initiative entsprungen. Unter den Gründern des Ausstellungs- und Galerievereins, aus dem dann das Museum sich entwickelte, war auch der Geheime Kommerzienrat Freiherr August von der Heydt. Er und seine Gattin halben den Namen Elberfelds als einer Pflegestätte modernster Kunst in Deutschland bekannt gemacht.

Die Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen den Mäzenen und dem Museum sind zum beiderseitigen Nutzen in Wuppertal stets eng gewesen. Vom Museumsdirektor beraten, entstanden mit der aufblühenden Galerie, die 1902 in Professor Friedrich Fries einen wissenschaftlichen Leiter erhalten hatte, mehrere Privatsammlungen alter und neuer Kunst. Überschlägt man die Summen, die seit 1902 die Stadt Elberfeld für ihr Museum, abgesehen von der Einrichtung des alten Rathauses als Museum, an Mitteln für Ankäufe jährlich bereitstellte, so werden diese Zahlen durch die von privater Seite aufgebrachten Gelder und geschenkten Kunstwerke weit übertroffen.

Auch in jüngster Zeit haben sich in Wuppertal zahlreiche Firmen die Pflege der bildenden Kunst angelegen sein lassen. Das Mäzenatentum hat sich im Laufe der Entwicklung von der Einzelpersönlichkeit zum Unternehmen verlagert. Erfreulicherweise ist auch in Wuppertal der früher häufig anzutreffende Typ des Sammlers und somit auch des Mäzens nicht ausgestorben. Es wird ja immer ein charakteristischer Zug des deutschen Kunstlebens sein, daß es nicht, wie in Frankreich, in einer Stadt konzentriert ist, sondern daß ähnlich wie beim Theater und Musikleben mindestens jede größere Stadt eine Aktivität, auch auf dem Felde der bildenden Kunst, entwickelt. So hat sich auch in Wuppertal seit Jahrzehnten ein lebendiges künstlerisches Schaffen entwickelt.

Wenn man von Künstlern in oder aus Wuppertal spricht, fällt natürlich der Name Hans von Marées, der 1837 in Elberfeld geboren wurde. Allerdings kam er mit 10 Jahren schon nach Koblenz, wo sein Vater Kammergerichtspräsident wurde. Darf die Stadt Wuppertal Hans von Marées als Sohn reklamieren, so hat der Maler künstlerisch nichts der Wupperstadt zu verdanken. – Die heute in Wuppertal lebenden Künstler haben mit denselben Verkaufsschwierigkeiten zu kämpfen wie ihre Kollegen in Hamburg, Berlin oder München. Diese bergischen Künstler unterscheiden sich in vielen Fällen sehr deutlich von der nach dem Westen orientierten Art der Düsseldorfer. Der kam in der Zeit des Expressionismus zu eigenem Ausdruck in der Freude an kräftiger Farbigkeit und kühner, etwas brutaler Formgebung. Und heute noch wird man unter den Mitgliedern der ältesten Künstlervereinigung, der Bergischen Kunstgenossenschaft, scharf profilierte Persönlichkeiten finden, die nur im bergischen Raum zu Hause sind. Die Spielarten des künstlerischen Temperamentes sind hier so vielseitig wie überall, auch in Wuppertal reicht die Linie vom Naturalismus bis zur gegenstandslosen Malerei. Seit zwei Jahren hat sich im Tal eine zweite Künstlergruppe zusammengefunden, der Ring Bergischer Künstler, der gut geleitet, eine für die Mitglieder erfolgreiche Aktivität entfaltet. Er bescherte der Stadt sogar ein veritables Künstlerlokal „Die Palette“.

Wenn man von Mäzenen und Künstlern in Wuppertal spricht, darf der Kunst- und Museumsverein nicht vergessen werden. Aus dem Banner Kunstverein und dem Elberfelder Museumsverein vereinigt, verfügt er über 1200 Mitglieder, die es der Leitung ermöglichen, monatlich wechselnde, lebendige und zeitnahe Ausstellungen im Museum zu machen. Die Ernst-Ludwig-Kirchner-Gedächtnisausstellung war eine der letzten wichtigen Veranstaltungen. Dazu finden im Studio für neue Kunst im Hause dies Architekten Dipl.-Ing. Rasch kleinere Ausstellungen abstrakter Kunst statt. In seinem hoch und schön gelegenen Arbeitsraum, an der alten Freiheit in Elberfeld, macht der Architekt Rudolf W. Jährling kleine, besonders interessante moderne Ausstellungen von Architektur, Gebrauchsgraphik und aus allen anderen Gebieten künstlerischer Tätigkeit.