„So zeigen wir hierdurch alleruntertänigst an, daß die Beschwerden wider die Ronsdorf er solchen Anstoß und Ärgerniß gegeben haben, wodurch fast alle Einwohner des Landes, besonders aber alle Reformirte Consistoria und Gemeinden im Gülich und Bergischen, in Bekümmerniß und Unruhe sind eingesetzet worden.“

Also beschwerte sich vor jetzt 200 Jahren die reformierte Synode des Bergischen Landes über den in Ronsdorf, ganz in der Nähe von Elberfeld, herrschenden Geist der Ellerianer und zuvorderst ihres Predigers und Propheten Elias Eller.

Dieser Elias Eller, eine Wuppertaler Spezies der münsterländischen Wiedertäufer, Prophet und Bürgermeister, Religionsbegründer und dreifacher Ehemann, wurde wenige Jahre vor der Wende des 17. Jahrhunderts als Sohn eines Hintersassen in der Erbslöher Honschaft, die südlich über der Stadt Elberfeld gelegen ist, geboren. Was wird in dieser Zeit ein junger Bauernsohn, der nicht eigener Selbständigkeit teilhaftig werden kann? Er gehet hin nach Elberfeld und lernet das Bandwirken. Und da ist er dann auch mitten drin in einer Zunft, wo Mystik und Spökenkiekerei jeden Schuß begleiten, der durch die Kette saust.

Der 25jährige Eller ist das, was man späterhin einen aufgeweckten Burschen zu nennen beliebt. Er versteht sich auf die Gunst der Weiber und heiratet in schnellem Entschluß die 20 Jahre ältere Witwe seines Fabrikanten. Und nun ist der Elias Eller gut heraus.

Wer sich in diesem Elberfeld ein Ansehen und eine Reputation schaffen will, der aber gehet fleißig in die Kirche, und wer hohe Ziele hat, der gründet gar eine eigene christliche Gemeinschaft. Elias Eller schafft sich zuerst einen Bibellese- und Betkreis, die Philadelphische Gesellschaft, eine honorige Bürgerversammlung, in die bald ein keckes Mädchen, die Anna von Büchel, kommt. Bei Gott, das Mädchen ist schön. Und unter dem beschwörenden Gebet der Gemeinde bekommt sie göttliche Eingebungen. Sie ist an der Seite des strebsamen Elias Eller bald die Zionsmutter der Gesellschaft. Aus ihrem Munde kommen die Weissagungen. Elias und Anna schreiben zusammen die „Hirtentasche“, den Katechismus der Gemeinde Zion.

In einer so verzückten und über alle Maßen erregten Gemeinde kann man sich über die weltliche Art der doch wahrhaftig frommen Elberfelder nicht beruhigen. Im übrigen interessieren sich auch staatliche Instanzen zu sehr für das Treiben der Ellerianer. Schließlich erklärt Anna von Büchel, ihr Elias sei berufen, ein neues Zion zu gründen. Und noch bei Lebzeiten der ersten Frau Ellers spricht sie davon, daß der neue Messias der Sohn des Religionsstifters Eller und der Magd Gottes, Anna von Büchel, sein werde.

Was für ein viel befeiertes Ereignis, als schließlich die erste Frau Ellers das Zeitliche segnet und der Prophet nunmehr die Prophetin ehelicht. Der Exodus der Elberfelder Philadelphier führt auf die südlichen Höhen über der Wupper, und dort gründet man die Stadt Zion. Jedermann ist gehalten, so zu bauen, daß er den Tempel des Herrn, die Wohnung Ellers, sehen kann. Damit haben es die Ronsdorfer heutzutage noch schwer, denn so unregelmäßig und willkürlich ist kaum eine Stadt hier im Bergischen gebaut. Der Prophet verwaltet in Personalunion auch das Bürgermeisteramt. In solcher Eigenschaft achtet er darauf, daß jedermann um 6 Uhr früh aufsteht und eine Stunde betet und Bibel liest. Es gelingt ihm, vier reformierte Pfarrer zum Abfall von der angestammten Kirche zu bewegen. Sonntags sitzen Elias und Anna auf Thronsesseln neben der Kanzel, sie wählen den Text für die Predigt aus. Als schließlich ein Knabe aus dieser Ehe entspringt, da jubelt Ronsdorf in den höchsten Tönen: „Uns ist der Messias geboren.“ Aber der Benjamin der Ellerschen Familie erfüllt nicht die in ihn gesetzten Hoffnungen; nach wenigen Monaten ist er tot.