London, im Februar

Elisabeth Bergner versucht zur Zeit ein come back’, dessen anhaltender Erfolg allerdings recht skeptisch beurteilt wird. Die Künstlerin hatte England 1940 unter wenig erfreulichen Umständen verlassen und seitdem am Broadway gewirkt. Aus nicht ganz durchsichtigen Gründen mußte sie nun von New York fortziehen – ihre Möbel wurden öffentlich zwangsversteigert – und begab sich nach England zurück. Einige Wochen lang trat sie in der Provinz auf, bevor sie sich in der Hauptstadt selbst sehen ließ. Das Stück heißt „The Gay Invalid“ und ist eine Modernisierung des „Eingebildeten Kranken“ von Molière. Aus der Komödie ist ein musikalischer Schwank geworden, in dem Elisabeth Bergner, die heute über fünfzig Jahre alt ist, als Stubenmädchen Toinette auftritt und sich genau so neckisch gibt wie vor zweieinhalb Jahrzehnten als „Rosalinde“. Wer die Bergner in ihrer Glanzzeit erlebt und bewundert hat, fühlte an diesem Londoner Abend die Schatten einer Tragödie heraufschweben.

Das mutige Avantgardisten-Theater„The Watergate brachte Georg Kaisers nachgelassenes Werk „Das Floß der Medusa“ zur Aufführung, das erste deutsche Stück, das nach dem Kriege auf einer englischen Bühne zur Aufführung gelangte. Georg Kaiser ist weniger unbekannt in England als die meisten deutschen Bühnenautoren dieses Jahrhunderts; die großen Stücke aus seiner expressionistischen Periode sind alle über die Bretter von Experimentiertheatern gelaufen. Dieses tragische Kinderstück ist aber eine langsam anlaufende epische Begebenheit. Die Londoner Presse bekundete zwar Interesse an der humanen Problemstellung, fand aber, diese reiche für ein abendfüllendes Stück nicht aus. N.