Von Paul Hühnerfeld

Der Sensation direkt gegenüber sitzt die Familie im eigenen Wohnzimmer, wenn der Fernsehreporter vielleicht das Autorennen von Minneapolis, den Ausbruch des Vesuvs oder den dreifachen Salto ohne Netz irgendeines berühmten Artisten aus einem Zirkus in Berlin oder London, Sydney oder Rio überträgt. Aber wenn dann auf der kleinen Bildscheibe die Knalleffekte des Tages glatt ablaufen, denkt man nicht daran, daß der Fernsehreporter von der Direktheit seiner Reportage nicht immer nur begeistert ist, sondern oft darunter leidet. Die Ereignisse laufen ab, er kann nichts weglassen und nichts dazutun. Er muß sie nehmen, wie sie kommen.

Da läuft jeden Monat der große amerikanische Passagierdampfer Washington in Hamburg ein. Da er alle vier Wochen kommt, steht zu hoffen, daß er auch einmal einen berühmten Mann mitbringen wird. Vielleicht den Literaturnobelpreisträger William Faulkner, der Weimar besuchen, oder den Weltmeister im Boxen Ezzard Charles, der Hein ten Hoff schlagen möchte. Der Fernsehreporter stellt sich also mit seinem Übertragungswagen an die Pier, und das Schiff wird von Schleppern in den Hafen gezogen. Der Fernsehreporter denkt, daß seine Empfänger im Binnenland auch die über das Heck hereingezogene Washington schon sehr interessieren wird. Er stellt sich also so auf, daß er sie ins Bild bekommt, und beginnt seine Übertragung. Aber – er hat nicht damit gerechnet, wie lange es dauert, bis so ein Schiff endlich festliegt, bis die Gangway heruntergelassen ist und die ersten Passagiere kommen. Das dauert ja alles schrecklich lange, ihm gehen die Worte aus und den Empfängern ist der langsam hereingeschleppte Ozeanriese schon längst langweilig geworden. Dann ist es endlich soweit: die Stelling ist herunter und der berühmte Mann betritt deutschen Boden. Und schon bahnt sich ein neues Unglück an: der berühmte Mann wird von anderen verdeckt. Und während die Wochenschauleute dennoch ungeniert zu filmen beginnen (denn sie werden beim Schneiden schon die Spreu der Aufnahmen vom Weizen sondern, und das müßte ein schlechter Wochenschaumann sein, der den berühmten Mann nicht wenigstens einmal in die Kamera bekäme), sieht der Fernsehempfänger all die vergeblichen Versuche seines Reporters mit an. Bis endlich, endlich der Gesuchte im Film erscheint. Und dann hat es der Reporter in der Hast vielleicht selbst zu spät gemerkt und er kann nur noch sagen: „Das eben – das war er. Seinetwegen habe ich die ganze Zeit hier gestanden, seinetwegen haben Sie dieselbe Zeit am Empfänger gewartet.“

Zugegeben: auch hier verändert sich die Situation, wenn der Übertragungswagen mit drei Kameras ausgestattet ist und der Reporter die Aufnahme „mischt“ wie der Sendeleiter im Studio. Dennoch: echte Reportage, ob in der Zeitung oder im Funk, lebt von der Verdichtung, und diese Verdichtung fällt bei der Fernsehreportage aus.

Und endlich: wie wenn die Washington morgens um sechs Uhr ankommt? Wer wird denn um sechs Uhr morgens überhaupt den Fernsehempfänger anstellen, um den berühmten Mann zu sehen?

Der technische Vorgang

Der größte Raum im Fernsehstudio Hamburg gehört der Technik. Und wer sich in ihm herumführen läßt, weiß bald vor lauter Fachausdrücken nicht mehr aus noch ein. Doch manchmal packt den Laien der Mut, und bevor er ganz unter der Last des Unverstandenen zusammenbricht, rafft er sich zu der Frage auf: „Ich hätte eigentlich nur gern gewußt –: wie ist der einfache grundlegende, technische Vorgang im Fernsehen?“ Und dann erfährt er dies: