Die technische Pointe liegt zunächst beim Fernsehen ebenso wie bei der Bildtelegraphie darin, daß vermittels der schon erwähnten Nipkowschen Scheibe das beleuchtete Bild in viele kleine Punkte zerlegt wird. Diese Punkte werden einzeln übertragen, das bedeutet: die Lichtimpulse, die durch die einzelnen Löcher der Nipkow-Scheibe auf die Photozelle fallen, werden dann nach ihrem Helligkeitsgrad in verschieden starke elektrische Ströme umgewandelt. Die elektrischen Ströme werden verstärkt und dem drahtlosen Sender aufgegeben.

Die Nipkowsche Scheibe ist seit längerem schon durch einen "Universalabtaster" ersetzt und dieser schon wieder durch das "Ikonoskop", dem "Elektronenstrahl-Zerleger", abgelöst worden. Durch dieses Ikonoskop wird das Bild auf eine Platte geworfen, die mit einer lichtelektrischen Schicht überzogen ist. Es entsteht ein dem optischen entsprechendes elektrisches Bild, das nun durch einen Elektronenstrahl Zeile für Zeile abgetastet wird. Die Stärke des Elektronenstrahles ändert sich je nach der abgetasteten Ladung der Platte.

Das Bild wird um so deutlicher, je kleiner und häufiger die Bildpunkte sind. Der ehemalige Berliner Sender zerlegte das Bild in 441 Zeilen. Eine Zeile enthält etwa 500 Bildpunkte, so daß ein Bild aus etwa 230 000 Punkten bestand. In Hamburg arbeitet man heute schon mit 625 Zeilen pro Bild, das sind etwa 315 000 Bildpunkte. Jeder dieser winzigen Bildpunkte wird in einer 6Sechzigmillionstel Sekunde übertragen. Das menschliche Auge ist also nicht in der Lage, die Punkte einzeln wahrzunehmen. So entsteht ein ganzes Bild. Das "Filmische" des Fernsehens aber – will sagen: die rasche Aufeinanderfolge der einzelnen Bilder, so daß es zum bewegten Streifen kommt, wird im Fernsehstudio auf dieselbe Weise erreicht wie im Filmatelier: die einzelnen Bilder werden in so schneller Reihenfolge (mindestens 25 Bilder in der Sekunde) aufgenommen, daß der Unterschied bei dem Betrachter nicht mehr wahrnehmbar ist und die Bilder zu einem fortlaufenden Bewegungsimpuls verschmelzen.

Was für den Sender das Ikonoskop ist, das ist für den Empfänger die "Braunsche Röhre". Sie besteht aus einem luftleer gepumpten Glasrohr, in ihm wird von einer glühenden Kathode ein dünner, unsichtbarer Elektronenstrahl erzeugt, der am anderen Ende der Röhre auf einen Fluoreszens-Schirm fällt. Durch Ablenkplatten dirigiert man den Strahl in die Form einer Zeile. Der so gerichtete Kathodenstrahl wird nun in seiner Stärke durch die ankommenden Stromschwankungen verändert. Bewegt sich der veränderte Elektronenstrahl durch den Fluoreszenz-Schirm, so entstehen also wieder Bildzeilen mit verschieden hellen Bildpunkten – das im Sender aufgenommene Bild ist übertragen.

Eine ansteckende Krankheit?

Ein deutscher Professor, der vor einigen Monaten nach den USA reiste, schreibt an seine Frau in Deutschland: "...Als ich in New York ankam, ging ich am Abend in das Restaurant, das ich von früher her kannte, im Herbst 1934 hatte ich mich dort mit Freunden aus dem Westen getroffen, und wir hatten einen netten Abend verbracht. Dieses Mal war ich allein, und das war gut so. Ich hätte mich doch nicht unterhalten können. Alle Leute starrten wie gebannt auf den am Büfett aufgestellten Fernsehempfänger, über dessen Bildfläche gerade eine Kriminalkomödie lief. Man knipste das Licht aus, und wenn ein Gast auch nur ein halblautes Wort sprach; baten sich gleich ein halbes Dutzend andere äußerste Ruhe aus. Die Kellner nahmen keine Bestellungen entgegen.

Im Hotel stand ein Fernsehempfänger schon in der Halle, und man tut gut daran, in der Halle mit geräuschlosen Sohlen zu gehen. Das Fernsehen kommt mir vor wie eine Art Pest – ansteckend allerdings nur für Amerikaner. Wo ich hinkam, wurde mir voller Stolz der Fernsehapparat vorgeführt. Es gab keine Gespräche mehr, kein gemütliches Zusammensein, alle starrten wie gebannt auf die kleine weiße Fläche. Ich war froh, als ich nach einer Woche endlich aus New York heraus zu Mills fahren konnte. Sie waren außer sich vor Freude und ich freute mich auch darauf, den ganzen Abend die Erinnerungen und Erlebnisse der langen Jahre mit ihnen austauschen zu können. Da sagten sie ganz stolz: und jetzt müssen wir Ihnen etwas zeigen. Sie führten mich in den Flur. Dort im Flur stand der teuflische Apparat. Sie knipsten das Licht aus und wir saßen bis zwölf Uhr vor dem Bildschirm.