Durch das Gesetz über die kommunale Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebietes vom 29. Juli 1929 wurden die bis dahin selbständigen fünf Städte Barmen, Elberfeld, Cronenberg, Ronsdorf und Vohwinkel vereinigt. Die neugebildete Stadt hatte über 400 000 Einwohner. Sie erhielt durch das Gesetz den Namen „Barmen-Elberfeld“. In dieser neuen Stadt gab es mehrere Rathäuser. Das sogenannte Ortsrecht stimmte auf sehr vielen Gebieten nicht überein. Nur auf zwei Gebieten war schon vorher in Barmen und Elberfeld ein Zusammenschluß erfolgt: im Theater- und Musikwesen und in der Abwasserbeseitigung. Wer sollte nun das neue Stadtoberhaupt werden? Wohin sollte der Sitz der Verwaltung kommen? Die Elberfelder verlangten diesen für sich. Sie waren darüber ungehalten, daß sie als die ältere Stadt im Namen der neuen Stadt an zweiter Stelle hinter Barmen rangieren sollten. Nach schwierigen Verhandlungen einigte man sich darauf, daß die neue Stadt nicht den im Gesetz vorgesehenen Namen bekommen sollte, sondern den kürzeren Namen „Wuppertal“.

Die neue Stadt Wuppertal besteht nunmehr 21 Jahre. Sie ist also mündig geworden. Im Gegensatz zu natürlich gewachsenen Großstädten kann man die Hauptstadt des Bergischen Landes als eine „addierte“ Stadt bezeichnen. Eine derartige Gemeinde hat den Nachteil, daß sie mehrere Stadtzentren aufweist. Ein großer Vorteil bestand aber in Wuppertal darin, daß die einzelnen Stadtteile die verschiedensten guten Eigenschaften ihrer Bewohner mit in die Gemeinschaft eingebracht haben. Die alte Stammesgrenze zwischen den Franken und Sachsen verlief zwischen Barmen und Elberfeld. Bei der Städtevereinigung wurden gekoppelt die solide westfälische Art der Barmer mit der temperamentvolleren rheinischen Mentalität der Elberfelder. Es dauerte lange, bis die Stadt aus der rechtlichen zur tatsächlichen Einheit verschmolzen wurde. Der Krieg und seine Bombenangriffe, die Wuppertal schwer heimsuchten; wirbelte die Einwohner durcheinander. Ausgebombte Banner mußten in Elberfeld eine neue Wohnung finden, Elberfelder zogen nach Cronenberg, Ronsdorf oder Barmen. Während die Stadtverordneten früher sehr deutlich betonten, daß sie aus den bisher selbständigen Städten stammten, und es hierdurch in den Parteien vorerst Spaltungen gab, ist dies heute kaum noch bemerkbar. Zwar wird lebhaft kritisiert, daß der Wiederaufbau des Westens der Stadt, nämlich Elberfelds, schneller und erfolgreicher durchgeführt wurde, als das im Osten Wuppertals der Fall ist; In Zukunft wird dieser Nachteil des Banner Stadtteils aber wahrscheinlich ausgeglichen werden können. 1945 wurden in den einzelnen Stadtbezirken Ausschüsse eingesetzt, die über das Eigenleben dieser Stadtteile wachen und gute Arbeit leisten. Trotz separatistischer Bestrebungen, die hier und da noch einmal auftauchen, werden aber doch im großen und ganzen die gesamtstädtischen Interessen stets klarer gesehen und entschiedener vertreten.

Die Verwaltung der „großen Stadt im enger“ Tal“ wurde so im Laufe der Zeit immer mein zusammengefaßt. Ein besonders schwieriges Problem war es aber noch, die bisher getrennten Versorgungs- und Verkehrsgesellschaften zusammenzufassen. Im Jahre 1929 gab es in Wuppertal sechs Verkehrsgesellschaften mit völlig verschiedenem kommunalem Einfluß. Auch bestanden sowohl rein städtische Elektrizitätsversorgungs-Unternehmungen wie eine Gesellschaft mit privater Mehrheit. Im Laufe der Jahre konnte aber auch auf diesem Gebiet, insbesondere durch Ankauf des privaten Kapitals seitens der Stadt, die notwendige Vereinheitlichung erfolgen

Fragen, die 1929 groß und wichtig erschienen, sind inzwischen durch Zeitablauf und durch sehr viel bedeutendere Probleme zusammengeschrumpft, Die Kindheitsjahre der neuen, jetzt wieder 365 000 Einwohner umfassenden Stadt Wuppertal liegen hinter uns. Die Wuppertaler lernen immer mehr, sich als Bewohner der vereinigten Großstadt zu fühlen.