In Wuppertal gibt es rund 2000 industrielle Betriebe – mehr als in irgendeiner anderen Stadt des Westens, die teilweise an Einwohnerzahl dieses Wuppertal mit 360 000 Köpfen weit übertreffen. Ohne die Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten, die hier die Hälfte aller Betriebe ausmachen, wurden 1950 für Wuppertal 964 Betriebseinheiten gezählt. Dreimal so viel wie in Dortmund (508 800), doppelt so viel wie in Essen (608 500 Einwohner), fast viermal so viel wie in Duisburg.

Diese Zahlen, finden ihre Erklärung darin, daß die Wirtschaft Wuppertals in der Hauptsache auf mittleren und kleineren Betrieben beruht, zum Teil seit Generationen im Besitze der gleichen Familie. So überwiegt die persönliche Unternehmensform, besonders die OHG und die KG. Initiative und Leistung des persönlich haftenden Unternehmers geben also dem Bergischen Raum ebenso das Gepräge wie das fachliche Können und der Fleiß der ortsansässigen Bevölkerung. Und hierin lag die große Stärke der Wuppertaler Unternehmer: sie konnten bei den ständig erforderlichen – vielfach durch die Mode bedingten – Umstellungen ihrer Erzeugnisse und ihrer Betriebe unter persönlicher Verantwortung schnell handeln. Das zeigte sich vor allem bei dem schnellen, außerordentlich wendig durchgeführten und oft zunächst nur improvisierten Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Krieges.

Auch die soziale Atmosphäre erhält ihre Eigenart dadurch, daß es nur wenige Großbetriebe gibt. Außer den Städtischen Werken (4000) werden in nur fünf Betrieben zwischen 1000 und 3000 Arbeitnehmer beschäftigt. Dann gibt es noch acht Betriebe mit über 500 Arbeitnehmern. Das Gros beschäftigt durchschnittlich 70 Arbeitnehmer.

Hierdurch besteht zwischen den Inhabern, vielfach selbst aus dem Arbeiter- oder Angestelltenberuf hervorgegangen, und ihren Betriebsangehörigen ein betont enger Kontakt. Jeder hat daher – seit je – die Möglichkeit, durch seine enge Verbundenheit mit dem Betrieb und durch sein fachliches Können und seine darauf begründeten Vorschläge auf die Entschließungen seines Arbeitgebers einzuwirken und so auf die Geschehnisse und die Entwicklung des Betriebes einen mitbestimmenden Einfluß auszuüben. Solche Zusammenarbeit kann durch keine noch so sorgfältig erarbeiteten Gesetzesparagraphen erreicht werden.

Aus allem folgt als weiteres Charakteristikum der Industrie in Wuppertal die Vielgestaltigkeit Bei dieser industriellen „Mischung“ hat Wuppertal nicht so sehr das Bedürfnis, neue Betriebe heranzuziehen, als aus den ansässigen Unternehmen neuartige Produktionen zu entwickeln.

Trotz seiner topographisch ungünstigen, seine bauliche Gestaltung nicht gerade fördernden Lage innerhalb eines langgestreckten, engen Tales hat Wuppertal doch einen sehr beachtlichen Einfluß auf die Entwicklung bestimmter Gebiete der deutschen Industrie nehmen können: in der Farbenchemie, die aus der uralten Wuppertaler Färberei und Bleicherei viele Anregungen erhielt, in der pharmazeutischen Industrie (Bayer) und durch die Pionierdienste, die Wuppertal dem Siegeszug der Kunstseide leistete. Noch heute sind die Bayerwerke in W.-Elberfeld eine Hauptproduktions- und Forschungsstätte der weltbekannten Bayer-Erzeugnisse.

Mit 27 000 weiblichen Arbeitskräften (von insgesamt 70 000) liegt Wuppertal als Stadt der berufstätigen Frau absolut an der Spitze alle? Großstädte des Westens. Darin könnte eine sehr günstige Ausgleichsmöglichkeit für das benachbarte Ruhrgebiet mit seinem Überschuß an weiblichen Arbeitskräften zu sehen sein. In Essen beispielsweise, wo die Schwerindustrie und der Bergbau – dominieren, sind noch nicht 10 000 und in der Duisburger und der Dortmunder Industrie nur jeweils 6000 bis 7000 weibliche Arbeitskräfte beschäftigt.