Der Rohstoff ist in den letzten zwölf Jahren ein sehr robuster Kerl geworden. Heutzutage bestimmen die Rohstoffe die internationale Preisentwicklung, nicht die industriellen Fertigwaren. „König Rohstoff“ wird dabei kräftig unterstützt von seinen Halbbrüdern aus der Familie der Primärprodukte, den Nahrungsmitteln.

Man braucht nur die Preisentwicklung von Ein- und Ausfuhren im letzten Jahre in typischen Industrieländern zu studieren, um zu erkennen, um wieviel größere Mengen an Ausfuhrgütern notwendig geworden sind, um die gleiche Menge an Einfuhren herzählen können. Die deutschen Devisen Schwierigkeiten haben hierin eine ihrer Hauptursachen. Und für England kündigt sich heute schon ein Fehlbetrag in der Zahlungsbilanz für 1951 in der Größenordnung von 2,5 Mrd. DM an (was dem Wert einer britischen Monatsausfuhr entspricht). Für andere europäische Länder ergibt sich ein ähnliches Bild.

In der deutschen Praxis hat sich bereits die Notwendigkeit einer zeitweiligen Suspendierung der Liberalisierung ergeben. In der britischen Diskussion der kommenden Gefahren für die Zahlungsbilanz ist jetzt der Gedanke der Export-Steuer aufgetaucht. Wenn man schon, unter Einschränkung des eigenen Verbrauchs, Fertigwaren exportieren muß, um teure Nahrungsmittel und Rohstoffe einzuführen, warum dann nicht zu entsprechend hohen Exportpreisen Und wenn die Vielfalt des Ausfuhr-Sortiments, die „Schwerfälligkeit“ des freien Marktes und die internationale Konkurrenz es nicht möglich machen, die „freien“ Exportpreise schnell genug den Rohstoffen folgen zu lassen, warum dann nicht eine staatliche „Nachhilfe“ in Form einer gehörigen Ausfuhr-Steuer – die zudem gleichzeitig den „Rohstoffländern“ mit ihrer unzulänglichen Rüstungsindustrie einen Teil der zwangsläufig in hochentwickelten Industrieländern entstehenden Rüstungsausgaben aufbürdet?

In Rohstoffländern kennt man bereits derartige Exportsteuern, die allerdings nicht die Ausfuhr verteuern, sondern nur einen Teil der „freiwillig“ vom Ausland gezahlten höheren Preise in die Staatskasse anstatt in private Taschen dirigieren sollen. Doch bei dieser Ausfuhr-Steuer auf Fertigwaren würde es sich ja um eine gewissermaßen als „Strafe“ für die Rohstoffländer gedachte Verteuerung ihrer Einkäufe handeln müssen.

Ob der Staat wirklich der Richtige ist, auf diese Weise durch Verteuerung der Ausfuhr in die Preisgestaltung einzugreifen – und dabei vielleicht der Versuchung zu unterliegen, mit Filfe dieser Steuer-Eingänge wieder einmal seine eigene Sparsamkeit zu vernachlässigen? Und ob die Rohstoffländer sich passiv fügen anstatt aktiv wehren würden, beispielsweise, indem sie noch schneller auf die eigene Verarbeitung ihrer Rohstoffe an Stelle des Exports hinstreben, also eine neue Form der „Autarkie aus Abwehr“ schaffen würden?

Es ist erstaunlich, daß gerade aus Kreisen der Londoner City dieser Gedanke der Export-Steuer auftaucht. Es scheint uns ein neuer Beweis dafür, daß die einstmals so freie private britische Wirtschaft unbewußt und doch unverkennbar in ein bürokratisches Planungsdenken hineingleitet!

E. G.