In der schlechten alten Zeit wurden zum Anregen des Appetits Gabelbissen, schwedische „sild“, gereicht. Was mit dem Gast geschehen sollte, wenn er auf die Appetitsild keinen Appetit hatte – dafür wußten die Wirtsleute damals keinen Rat. Heute aber gibt es, wenigstens im New Yorker Hotel Edison, mit dem Verzehr keinerlei Schwierigkeiten; von Tag zu Tag und von Woche zu Woche steigen die Verkaufsziffern im Restaurant an. Dieser Erfolg ist dem Manager des Unternehmens nicht wie eine reife Frucht in den Schoß gefallen, er hat ihn erdacht und erarbeitet. Von einem bestimmten Tage an mußten nämlich seine Servierdamen in einer Tracht erscheinen, die es ihnen ermöglichte – mit Verlaub –, mehr aus sich herauszugehen und die Aufmerksamkeit der Gäste in der appetitlichsten Weise vom grob-materiellen Genuß der Speisen und Getränke abzulenken, und dennoch gerade durch diese Ablenkung den Umsatz zu vergrößern. Schon nach ganz kurzer Zeit lagen Ergebnisse vor: Die männlichen Gäste blieben elf bis fünfzehn Minuten länger bei ihrem Frühstück sitzen. Die Anzahl männlicher Gäste, die nach dem Essen einen Kaffee bestellten, stieg um 87 Prozent, das Trinkgeld erhöhte sich um 20 Prozent!

Als sich so erwies, daß die Hoteldirektion prinzipiell auf, dem richtigen Wege war, wurden Fortschritt und Ausschnitt erweitert – der Kaffeeverbrauch stieg ins Unmeßbare. Da platzte in eine Konferenz der Geschäftsleitung, die eine Ausweitung der Maßnahmen diskutierte, ein harter Demontagebefehl. Die Vereinigung New Yorker Ehefrauen teilte dem Hotel kurz und bündig mit, daß sie diese Werbeidee für keine gute Idee halte...

Kaffeeausschank, Kleiderausschnitt und Trinkgelder bewegen sich seitdem wieder in normalen Bahnen. Die New Yorker Geschäftsleute lesen zu ihrem Lunch die Zeitungen. P. Chr. B.