August 1914. In ganz Frankreich sammeln sich die Männer zu den Waffen. Nur einer geht nicht mit den andern: Roux, den die Verwandten und Nachbarn später seiner schweifenden Lebensweise wegen „le bandit“ zubenennen werden. Die Ächtung seiner ganzen Welt begleitet ihn, als er sich in den öden Bergen der heimatlichen Cevennen zu verbergen geht.

Roux’ Welt ist geschlossen und streng in ihren Sitten und ihrem protestantischen Glauben. Und auch Roux lebt mit seiner Entscheidung dies allen halben Lösungen abholde Protestanten tum: hält er sich doch für aufgerufen, sich hier neu und frei zu entscheiden, und als Maß gilt ihm dabei allein das Wort Gottes, wie er es versteht.

Allmählich beginnen die Menschen, unter denen Roux gelebt hat, davon etwas zu sehen: die Männer, die Roux treffen, wenn sie zu abgelegenen Weiden gehen, verraten ihn nicht, und die Frauen stellen dem Hungernden nachts Essen vor ihre Türen. Sie tun das noch, als Roux schon längst gefangen und verurteilt worden ist – es ist ihnen ein Zeichen geworden, und sie glauben alle ein wenig, daß es ihnen Glück bringen wird ...

Wir hätten heute, so sagt André Chamson in seiner Vorbemerkung, die Hoffnung verloren, die ihn nach dem ersten Weltkrieg „Roux le bandit“ schreiben ließ. (Unter dem Titel „... der nicht mit den andern ging“ sorgfältig und lebendig übersetzt von Alastair.) Dennoch ist dies Buch jetzt und hier wichtig. Denn zwei Dinge werden darin deutlich gemacht: daß wir alle – was immer man auch über die unentrinnbare Riesenmaschinerie sagen möge, in der wir uns drehen müssen – zu einer solchen ganz persönlich gegründeten Entscheidung aufgerufen sind, und daß allein diese Entscheidung, niemals der freudige oder resignierte Gehorsam, unser Leben als Menschen zu erhalten und zu fördern vermag. (Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg).

Marlies Dorner