Die Westmächte haben der Bundesrepublik dieoffizielle Genehmigung zur Errichtung eines Außenministeriums erteilt. Damit hat die Bundesrepublik wieder einmal einen beträchtlichen Schritt vorwärts getan. Aus unserer Halbsouveränität ist mindestens eine Dreiviertelsouveränität geworden. Und darüber hinaus haben deutsche und alliierte Stellen bereits die Vorarbeiten zur Beseitigung des restlichen Besatzungsstatutes in Angriff genommen.

Ein schöner Erfolg. Bonner Abgeordnete einer Regierungspartei waren anderer Meinung. „Diese von der weltpolitischen Lage längst überholte kleine Revision lohnt keine Opfer“ (wie die Anerkennung der deutschen Auslandsschulden) so wurde wörtlich erklärt. Es sei jetzt vielmehr der Zeitpunkt für eine „große Revision“ gekommen, die die Beziehungen der Bundesrepublik zu den Alliierten in einem Sicherheitsvertrag regele;

Was man sich bei diesen Äußerungen gedacht hat, ist ungewiß. Was man damit erreichen wird, ist leider um so klarer. Nämlich dreierlei:

Erstens schwächt man die Position des Westens, zu einer Zeit, da angesichts der begonnenen Verhandlungen in Paris alles darauf ankäme, dem Kreml die Einheit von Bundesrepublik und Westmächten zu demonstrieren.

Zweitens liefert man der im Ausland immer wiederholten Behauptung neue Nahrung, daß man den Deutschen nur den kleinen Finger zu reichen brauche, und sie würden die ganze Hand fördern. Und

drittens erschüttert man das Vertrauen in die Vertragswürdigkeit der Bundesrepublik überhaupt. Schließlich war von den drei Außenministern in New York beschlossen worden, daß die Anerkennung der Auslandsschulden die Vorbedingung für eine Revision des Besatzungsstatuts sei. Die Bundesrepublik hat trotz mancher Bedenken diesen Beschluß akzeptiert. Nun muß sie zu ihrem Wort stehen.

Das Märchen vom „Fischer und sien Fru“, die mit dem Erreichten nie zufrieden war, ist ein spezifisch deutsches Märchen. Neue Forderungen zu stellen, ehe das vertraglich Festgelegte erfüllt ist, ist eine spezifisch deutsche Parlamentarier-Eigenschaft. Fischer, sien Fru fand sich am Ende der Geschichte auf dem „Pißpott“ wieder. C.