Alice Springs, das ist ein Ort mitten in Australien,genau zwischen Darwin und Adelaide. In „Eine Stadt wie Alice“, so schön, so lebendig und anziehend, verwandelt eine junge und tatkräftige Engländerin den trostlosen australischen Marktflecken Wellstown. Bis das aber wirklich gelingt, ist’s ein langer und mühevoller Weg. Der in England viel gelesene Autor Nevil Shoote läßt seine Heldin zuvor in Malaya an dem zweieinhalb Jahre dauernden „Kreuzzug der Frauen“ teilnehmen, einem tragischen Marsch kriegsgefangener Europäerinnen, wie er ähnlich auf Sumatra stattgefunden hat. Unter dem Druck der einrückenden Japaner von Niederlassung zu Niederlassung gejagt, finden die weißen Frauen schließlich in einem malaiischen Dorf Aufnahme und Arbeit, bis der Krieg zu Ende ist. Diese Schilderungen der Anfangskapitel sind das Wesentliche und Fesselnde an dem Roman Nevil Shootes: unsentimental in der sich lose anspinnenden Liebesgeschichte, zurückhaltend in der Aufzeichnung der Grausamkeiten, faszinierend und echt in der Charakterisierung der Eingeborenen. Die australischen Erlebnisse indessen verblassen durch ihren lehrhaften Ton und den allzu breiten Fluß der Erzählung. (Steinberg-Verlag, Zürich, 382 S., Fr. 14,80.) I. H.