Ulm, Anfang März

Der heutige Kölner Student Rudolf Oswald Diehl war von seinem zwanzigsten bis fünfundzwanzigsten Lebensjahr in russischer Gefangenschaft. 1949 erst ist er zurückgekehrt. Aus diesem persönlichen Erleben heraus hat er sein Schauspiel ‚,Nackte Menschen“ geschrieben, das jetzt bei seiner Uraufführung auf dem „Podium“, der zweiten, vor allem der neuen Dramatik offen stehenden Spielstätte der Städtischen Bühne Ulm, mit überaus herzlichem Beifall aufgenommen wurde.

Ungeschminkt, aber nicht verzehrt, wird „das Lager“, das bereits zu einer „Ursituation“ unserer verrückten Zeit geworden ist, gegeben, auch mit den dazugehörigen langen „grundsätzlichen“ Dialogen, Unter den physischen, noch mehr aber unter den seelischen Belastungen dieses eingeklemmten Daseins enthüllen sich die Menschen, werden sie nackt. Langsam nur entwickelt sich aus der schleichenden Zuständigkeit des Gefangenendaseins die Handlung, die getrieben wird vom Willen zur Heimkehr. Verschränkt ist damit das heikle Motiv der Liebe zwischen einem jungen deutschen Fliegeroffizier und der russischen Lagerärztin. Daraus ergeben sich einige äußere und psychologische Unwahrscheinlichkeiten, zu denen geradezu kolportagehafte Zutaten kommen, selbst