Über einen schlechten Besuch ihrer Stände auf dem fast wieder „friedensmäßigen“ Messegelände konnten sich die rund 1000 in- und ausländischen Ausstellerfirmen der Kölner Textil- und Bekleidungsmesse, die als zweiter Teil der Frühjahrsmesse stattfand, kaum beklagen. Der Geschäftsverlauf war jedoch, wie vorher in Hamburg und Hannover, unterschiedlich. In bestimmten. Warenarten und bei gewissen Ausstellerfirmen war er vielleicht sogar vorsichtig. Somit entsprachen Geschäftsverlauf und Dispositionen der Einkäufer durchaus der aktuellen wirtschaftlichen Situation.

Hier und da konnte man allerdings den Eindruck haben, als ob das Angebot ausgesprochen „modischer“ Konfektionsartikel auf eine etwas lebhaftere Nachfrage stieß als beispielsweise das – jenige der Waren mittleren Genres. Aber auch diese Aussage läßt Ausnahmen zu. Namhafte Firmen kamen sowohl absolut als auch relativ besser zum Zuge. Die Einkäufer verhielten sich bei meist erhöhten Preisen – mit Ausnahme der billigen Kunstseide – abwägend und vorsichtig disponierend.

Längere Lieferfristen, die von der Rohstoffversorgung und den entsprechenden Erwartungen diktiert waren, wollte man offenbar aus Rücksicht auf die ungenaue Kenntnis der Konsumentenreaktion auf erhöhte Preise nur ungern eingehen. Die zum Teil vorzüglichen Qualitäten wurden gründlich auf ihre Preiswürdigkeit geprüft, wobei sich nicht selten herausstellte, daß viele Anbieter bei meist kurzfristigen Lieferzeiten zu Einstandspreisen kalkulierten, sich also Preisvorbehalte nur bei längeren Lieferfristen ausbaten.

Das Geschäft der zahlreich vertretenen ausländischen Ausstellerfirmen war trotz des guten, manchmal sogar sehr guten Verlaufs (z. B. in belgischen Tuchen) eigentlich kein Geschäft, sondern es erstreckte sich mehr auf die Entgegennahme der vielfach die Messekontingente übersteigenden Käuferwünsche, deren Erfüllung von der Entwicklung der Importmöglichkeiten abhängt. *

Während die Nürnberger Spielwarenfachmesse „noch vor einem Jahr die Aufgabe hatte, der Industrie schon im Frühling sinnvolle Dispositionen für das nächste Weihnachtsgeschäft zu ermöglichen – was ein Jahr zuvor durch viel zu späte und sich häufende Bestellungen vereitelt worden war –, zeigen sich diesmal ganz andere Schwierigkeiten, Die 480 westdeutschen Aussteller (im Vorjahr waren es 350). sehen neuer vom 7. bis 12. März einem stärkeren Zustrom ausländischer Einkäufer entgegen. Damit erhebt sich die Frage, wie die zu erwartende gesteigerte Ausfuhrnachfrage zufriedengestellt werden kann – trotz knapper Rohstoffe und Verpackungsmaterialien. Wird Prof. Erhard zur Eröffnung sagen können, woher z. B. die Spielzeugautofabrikanten die feinen Bleche und die bunten Pappkartons nehmen sollen? r.