„Der Vorschlag, den ich gemacht habe“, so schreibt uns Dr. Hjalmar Schacht auf unsere Bitte, sein neues Finanzierungsprojekt in der „Zeit“ zu erläutern, „verbindet zwei Probleme miteinander und gestattet die Lösung beider; nämlich die Transferierung der Restitutionsgelder und die Kapitalbeschaffung für die deutsche Schiffahrt – Hier nun die Einzelheiten des Vorschlags, der große Beachtung gefunden hat, in der uns von Dr. Schacht liebenswürdigerweise verfüglich gemachten Darstellung:

Der Vorschlag, den ich gemacht habe, verbindet zwei Probleme miteinander und gestattet die Lösung beider, nämlich die Transferierung der jüdischen Restitutionsgelder in fremde Valuta und die Kapitalbeschaffung für die deutsche Schiffahrt.

So ungerecht und unerfreulich die Durchführung der Restitutionsansprüche unter den sehr voreilig gefaßten gesetzlichen Bestimmungen sich in vielen Fällen abspielt – ich verweise nur auf die Vorgänge im Wiedergutmachungsamt in München –, so kann darüber die Notwendigkeit, rechtmäßige Restitutionsansprüche zu erfüllen, nicht abgewiesen werden. Es ist eine moralische Pflicht, daß begangene Unrecht, soweit es in unserer Kraft steht, wiedergutzumachen. Es ist politisch klug, dies bald zu tun, um einen sehrenden Giftstoff aus der Welt zu schaffen.

Nicht minder dringlich ist das Problem des Wiederaufbaues der deutschen Schiffahrt, Seine Dringlichkeit wird durch zwei Momente unterstrichen, die, im ersten Sieges- und Vergeltungstaumel außer acht gelassen, mit der Zeit immer augenfälliger geworden sind. Die finanzielle Auslandshilfe, die wir bisher erhalten, haben, drängt nach Abbau. Zu diesem Zweck muß unsere Auslandszahlungsbilanz verbessert werden. Der Seefrachtendienst, den wir vom Auslande mangels eigener Schiffe in Anspruch nehmen müssen, kostet uns jährlich rund dreiviertel Mrd. DM in Devisen. Mit einer ausreichenden eigenen Handelsmarine können wir diesen Betrag einsparen, indem wir statt fremder Devisenfracht eigene DM-Fracht aufbringen, und können möglicherweise noch einige an Devisen hinzuverdienen. Das zweite Moment liegt darin, für die Friedensrüstung die Transportmöglichkeiten des Atlantiks personell und materiell auf den wirkungsvollsten Stand zu bringen. Das Brachliegen der deutschen Schifffahrt ist eine Rüstungslücke.

Die Wiederauffüllung der deutschen Schiffahrt erfordert Kapitalaufwand. Dieser Aufwand soll aus den Restitutionsguthaben gedeckt werden. Die Restitutionsgelder sollen in fremde Valuta umgewandelt werden. Das ist der Inhalt des Vorschlages. Die Durchführung ist nicht auf Zwang, sondern auf Freiwilligkeit aufgebaut. Sie ist wie folgt gedacht:

Die Restitutionsgelder, die in Schiffshypotheken – angelegt werden, erhalten dafür einen auf fremde Währung – sagen wir Dollar – lautenden Bond, der in der gleichen fremden Währung verzinsbar und tilgbar ist. Seine Sicherheit besteht. in der erststelligen Schiffshypothek bis zur Höchstgrenze von 60 v. H. des Schiffswertes. Nehmen wir eine Annuität von 8 v. H. des Nominalbetrages an (5 v. H. Zinsen und 3 v. H. Tilgung jährlich), so wird der Bond in rund zwanzig Jahren getilgt. Der Schiffsreeder hat also jährlich. 8 v. H. auf 60 v. H. des Schiffswertes oder 5 v. H. auf der vollen Schiffswert in fremder Valuta zu verdienen, um den Anleihedienst zu decken.

Eine Untersuchung der Auswirkung dieses Vorschlages ergibt folgendes: Der Reeder erhält 60 v. H. der Baukosten, muß also für die restlichen 40 v. H. selber sorgen. Diese 40 v. H. bewilligt heute schon die Bundesregierung kreditmäßig zu vorteilhaften Bedingungen nach Maßgabe ihrer Mittel in den Fällen, wo der Reeder das Geld anderweit nicht aufbringen kann. Sie bewilligt ebenfalls in begrenztem Umfange die ersten 60 v. H. Wird die Bundesregierung nun durch die Verwendung der Restitutionsgelder von der Hergabe der ersten 60 v.H. entlastet, so kann sie diese nicht in Anspruch genommenen 60 v. H. auf die zweiten 40 v.H. mit verwenden und dadurch das Schiffbauprogramm wesentlich erweitern. Da die Restitutionsgelder erst eingezahlt werden, wenn das Schiff fertiggestellt ist, so muß bis dahin das Baustadium finanziell überbrückt werden. Solche Überbrückung findet bereits heute durch Banken und Länderlassen in erheblichem Maße statt, bildet also keine neue Schwierigkeit.