Wenn man am Sonntagabend auf dem Hamburger Hauptbahn bot in den Italienexpreß steigt, ist man am Dienstagmorgen in Rom. Von Rom bis Neapel fährt man mit dem Schnellzug vier Stunden. In Neapel liegt das Schiff nach Alexandrien. Es braucht zwei Tage. Spätestens am Freitagvormittag also ist man bei den Taschendieben von Alexandrien. Mit dem Flugzeug geht es natürlich schneller.

Die Taschendiebe von Alexandrien haben sich vor einer Woche zu einer Gewerkschaft zusammengeschlossen. Das weiß man von der Polizei der Hafenstadt, und es ist also nur so zu verstehen, daß eines Tages auf die Polizeidirektion in Alexandrien ein Mann gekommen ist, bescheiden, höflich, doch aber seiner Würde bewußt und sagte: „Ich bin der Präsident der neugegründeten Gewerkschaft der Taschendiebe. Das Gewerbe der Taschendiebe ist durch Dilettanten und moralisch zu wenig gefestigte Individuen so in Mißkredit geraten, daß wir alter. Taschendiebe uns zu diesem Schutz entschließen mußten.“ Die ägyptische Polizei teilt mit, daß sie die Gewerkschaft anerkannt habe und daß nunmehr jeder, der sich dem Gewerbe der Taschendieberei zuwenden wolle, zuerst eine Prüfung vor der Gewerkschaft abzulegen habe. Wahrscheinlich ist die Polizei dabei zugegen. Denn sie könnte dann gleich die dabehalten, die während der Prüfung solches. Geschick zeigen, daß später keine Hoffnung mehr besteht, sie jemals zu fassen.

Weiß der Teufel, aber es liegt auch etwas Menschliches darin, in die Tasche seines lieben Nächsten zu greifen. Vielleicht hat das die ägyptische Polizei bewogen, die Gewerkschaft der menschlichen Diebe zu sanktionieren.

Wer also hier von der Zunft ist und am Sonntagabend in Hamburg abführe, wäre fünf Tage später in Alexandrien. Warum soll nicht auch die Gewerkschaft der Taschendiebe erstklassige deutsche Fachkräfte gebrauchen? P. H.