Wenn’s den reichen Leuten, gut geht, – träumen die Armen: vom Glück, vom Reichtum, von einer Gehaltsaufbesserung und von ein bißchen Liebe. Wenn aber die armen Leute träumen, packt die Reichen ein merkwürdiges Rühren: sie merken, daß sie diese Träume nicht mehr träumen und dadurch ein Stück jener Poesie des Lebens verloren haben, die nicht nur in den Köpfen der Dichter spukt, sondern in der Wirklichkeit besteht.

Ugo Betti hat eine Komödie geschrieben, die er „Unsere Träume“ nennt. Es ist ein Stück, in dem ein junger Hochstapler für einen Tag die Träume des kleinen Mädchens Titi Moscopasca und ihres Vaters, des „Unterabteilungslei ers“ Carlo Moscopasca in der Firma des reichen Toons Wirklichkeit werden läßt. „Ich werde etwas für Sie tun“, sagt der Hochstapler Leo und gibt sich für den Sohn des reichen Unternehmers aus. Oh, er tut viel für sie, dieser junge Mann ohne Geld, mit falschem Namen und geliehenen, viel zu engen schwarzen Schuhen: er holt für einen Abend die Sterne aus den reichen Häusern in die Küche des Unterabteilungsleiters, und er tut das schöner und besser, als es der wirkliche Sohn des Unternehmers je tun könnte.

Diese Komödie ist ein Triumph der Poesie mit einem weichen, aber niemals weichlichen, mit einem leichten, aber niemals flachen Dialog. Nur ein paarmal wird es beklemmend: das ist da, wo Leo, der Hochstapler, von der Langeweile der reichen Leute spricht, oder ganz zum Schluß, wo das angeführte Mädchen noch einmal zurückkommt, dem Hochstapler gegenübertritt und bei beiden jene Traurigkeit durchbricht, die Menschen zuweilen befällt, wenn sie von ihren Träumen Abschied nehmen müssen. Aber Berti biegt an solchen Stellen schnell wieder in die echte Komik oder ins Lächeln ab – Leonce und Lena winken nur hinter den Kulissen.

In der Hamburger „Brücke“ wurde die Komödie aus Anlaß der „Italienischen Woche“ aufgeführt. Die Übertragung ins Deutsche besorgte Karl M. Ludwig. Das Studio der Brücke gab sich unter der Regie von Robert Ludwig große Mühe und versuchte ein leichtes, schnelles Spiel. Verena Schley als das junge Mädchen traf in einzelnen Szenen fast das, was der Dichter meinte. P. H,