J. B. Wien, Anfang März

Das deutsche Eigentum in Österreich wird treuhänderisch verwaltet; aber leider oft so, daß selbst der Finanzminister die Befürchtung ausspricht, es könnte sich dabei mancher Vermögenswert von selbst aufzehren. Der deutsche Besitzer mußte sich fremden Vorschriften fügen. Ist es aber unbillig, wenn er wenigstens einmal prüfen möchte, ob die Verwaltung in Ordnung ist? Er möchte einmal durch seine Fabrik gehen...

Kurz nach 1945 war es nicht ratsam, von einer Verpflichtung zur Rückgabe solcher Werte zu sprechen; man lief dann leicht Gefahr, als „Pangermanist“ abgestempelt zu werden. Das hat sich nun aber geändert, denn inzwischen haben bedeutende Persönlichkeiten für die Rückgabe plädiert, insbesondere für den „Altbesitz“, also Werte, die vor dem „Anschlußtag“ (13. März 1938) erworben wurden. Solche Vorschläge nehmen jedoch die Frage zu leicht und erscheinen uns auch als nicht ganz redlich: Der Tag des Erwerbs mag mit zur Beurteilung herangezogen werden, ob ein Besitz Wechsel. ohne Druck erfolgt ist; Rückgabekriterium kann aber nicht ein Kalenderdatum, sondern nur die Art des Erwerbes sein!

Bis zur tatsächlichen Rückgabe (oder Abfindung der Erstbesitzer) wird noch geraume Zeit vergehen. Zu viele Kräfte sind zumindest an Verzögerungen interessiert. Wer mag sich schon zur Abrechnung für eine „herrenlose Zeit“ drängen? Dazu kommt: die großen Werke der Gruppe sind verstaatlicht und stellen heute den Machtbereich der Sozialisten dar; sie werden weder Geld noch Macht gern und rasch hergeben wollen. Daß die Frage übrigens tatsächlich nicht nach dem einfachen Rechtsempfinden des Kaufmannes zu lösen ist, sondern die staatsrechtliche Verästelung fast unübersehbar scheint, wird noch gezeigt.

Wichtig bleibt die Verbesserung der Verwaltung. In diesem Sinne hat der „Schutzverband beschlagnahmter deutscher Vermögen in Österreich “ (Sitz München 13, Tengstraße 24) dem Wiener Finanzministerium Vorschläge für eine Reform des Verwaltergesetzes gemacht. Grundsätzlich verlangt man:

1. der Verwalter soll dem ehemals Verfügungsberechtigten Bilanzen vorlegen, die Verwendung der Erträgnisse nachweisen müssen und die Besichtigung der Betriebsräume gestalten (wie bescheiden eigentlich!);