Seit Mitte Februar deuten sich Preisabschläge auf den internationalen wie auf den innerdeutschen Märkten an. Wichtige Welthandelsartikel, wie Getreide, Öle und Fette, einige NE-Metalle, Altmetalle, entfernen sich mehr oder weniger rasch von ihren Höchstpreisen zu Jahresbeginn. Es wird vorsichtiger disponiert – auch in Deutschland, wo Kaufermüdungen zu registrieren sind. Die Messen Köln wie Hannover beweisen, daß Industrie und Handel mit dem Erreichen des Preis-Kulminationspunktes rechnen. In Köln wurden die mahnenden Worte gesprochen: „Der Fachhandel soll seine Einkäufe nur auf Grund seiner bewährten Umsatzerfahrungen und unter Berücksichtigung der tatsächlich noch vorhandenen Kaufkraft der Verbraucher vornehmen.“ Es hieß weiterhin, in Köln wie in Hannover, daß die Schockwirkung auf den internationalen Rohstoffmärkten überwunden sei und rückläufige Anzeichen deutlich würden.

Für die breite Masse der Käufer dürfen diese fachlichen Feststellungen in dem Sinne ausgelegt, werden, daß zunächst einmal nur noch die wirklich dringenden Käufe getätigt werden sollten, weil Preisermäßigungen nicht ausgeschlossen sind. Hierzu sei eine Stellungnahme aus dem Handel zitiert, die vor einigen Tagen der Wirtschaftskommentator im Hessischen Rundfunk, Hans Peter Antes, wiedergab. Danach hätten sich bereits zahlreiche Betriebe in ihren Wareneindeckungen derart überdisponiert, daß mit einer Warenschwemme für die nächsten Wochen zu rechnen sei, die Wettbewerbsverhältnisse im Handel erhebliche Verschärfungen erlitten und allein aus diesem Grunde Preisermäßigungen eintreten müßten.

Bei aller Zurückhaltung einer Prognose sollte dieser Entwicklungsmöglichkeit keine geringe Bedeutung, beigemessen werden. Da der Zentralbankrat die Einengung des gegenwärtigen Kreditvolumens um über 1 Mrd. DM, also um etwa 10 v. H., in zügiger Weise für die nächsten Monate vorgeschrieben hat, dürften größere Läger ins Rutschen kommen und auf den Markt drängen. Auch von dieser Seite her darf also ein Druck auf die Preise zu erwarten sein, der wahrscheinlich ausreicht, um eventuell noch gewisse von am en her erzwungene Preiserhöhungen durch Eindrücken der innerdeutschen Spannen und Gewinnmargen aufzuheben.

So negativ auch der Entscheid des Zentralbankrates über die Kreditbeschränkung von einigen Kreisen aufgefaßt werden mag, seine Berechtigung, ja sogar seine Notwendigkeit, ist nicht abzustreiten. Vom Import ausgehend, ist – Verschlechterung der „Terms öf Trade“ – sowohl unser Außenhandel wie auch unsere Währung angeschlagen worden. Dabei blieben selbstverständlich die Dispositionen des Handels durchaus im Rahmen der weiten legalen Möglichkeiten; Wenn aber z. B. in Kaffee allein das 60fache des normalen Bedarfes – d. h. immerhin für 500 Mill. DM – an Importanträgen gestellt – wurde, in Früchten kaum anders, so bedeutet das eben eine Überspannung, die eine Gegenwirkung zwangsläufig herausfordert. Das muß eingesehen werden. In einigen Bankinstituten betragen heute Importakzepte das Hundertfache des Aktienkapitals! Hier muß gestoppt werden.

Die OEEC in Paris empfiehlt der Bundesregierung: sofortige und vollständige Entliberalisierung; Wiederaufnahme der Liberalisierung erst; wenn ein ausreichendes Devisenpolster vorliegt; aktive Produktionspolitik, die den Index der industriellen Erzeugung nicht noch weiter heruntergleiten lasse. Wahrhaftig, ein delphisches Orakel, wenn gleichzeitig die Ruhrbehörde durch ihren Kohlenexport-Beschluß die Daumenschrauben wieder anzieht und die Produktionsverbote bleiben!

Die Mehrheit im Zentralbanken hat sich nur zur scharfen Restriktion des liberalisierten Außenhandels und zur Politik des knappen Geldes entschlossen und gleichzeitig darauf verzichtet, an weiteren Schrauben zu drehen. Keine Diskonterhöhung, keine Lombardverteuerung, keine Erhöhung der Mindestreserven! Also nur: individuelle Kreditrestriktion, ganz unschematisch, weil anders es nicht mehr geht, so meinen wir. Diese Methode braucht zwei bis drei Monate Anlaufzeit.

Diese Monate werden preispolitisch und, damit zusammenhängend, innerpolitisch von großer Bedeutung sein. Sie erfordern Disziplin: Stopp jeder generellen Preiserhöhung. Es ist nicht ratsam, in den kommenden Wochen irgendwelche Preis- oder Lohnerhöhungen zu erwägen! Von gewissen Kreisen wird das Wörtchen Inflation bereits in Umlauf gesetzt. Fanatische Gegner von Erhards Politik kolportieren mit Schadenfreude diese Version und vergessen, daß den Schaden nur die Lohn- und Gehaltsempfänger haben. Sie übersehen zugleich, daß der Wert der DM in der Bevölkerung überhaupt nicht zur: Debatte steht. Was, mit Recht, fehlt, das ist das Vertrauen in die ’Langlebigkeit unserer vorzüglichen Versorgungslage der letzten zwei Jahre. Der Grund liegt dabei ausschließlich in dem militärischen und politischen Wechselbad – Oberbegriff Korea.