Die tödlichen Schüsse, die der 26jährige Zimmermann Khalil Tahmassedi, ein Angehöriger der fanatischen Sekte der „Kreuzfahrer des Islam“ am 7. März auf den iranischen Ministerpräsidenten Ali Rasmara vor dem Eingang einer Teheraner Moschee abgab, haben mit einem Schlage alle Hoffnungen und Erwartungen vernichtet, die Schah Mohammed Reza Pahlevi hegte, als er vor einem halben Jahr dem im Krieg und Frieden bewährten Generalstabschef das höchste politische Amt im Staat übertrug. Die Ernennung Rasmaras war damals ein kühner, von den Politikern der führenden Schicht zu Unrecht als verfassungswidrig bezeichneter Schritt. Der Schah hatte klar erkannt, daß es nur einer ebenso integeren wie starken Persönlichkeit gelingen könnte, den durch Bestechung, Vetternwirtschaft und Machtsucht zerfressenen Regierungsapparat zu säubern und diejenigen Reformen durchzuführen, die zur Erhaltung des Staatswesens notwendig waren; Alle diese Voraussetzungen erfüllte Generalstabschef Ali Rasmara.

Als nach dem Einfall russischer und englischer Truppen in Iran im August 1941 der damalige Schah zugunsten seines Sohnes abdankte, war es dieser Mann gewesen, der den sofort einsetzenden Demoralisierungserscheinungen im iranischen Heer ein Ende bereitete, und in wenigen Jahren eine Armee sehuf, die schon 1946, fünf Jahre später, die separatistischen Begebungen einer von den Russen unterstützten Clique in Aserbeidschan endgültig niederschlug und die Provinz wieder fest in den iranischen Staat einfügte. Der von Rasmara ausgearbeitete Operationsplan wurde damals in wenigen Tagen und ohne nennenswerte Verlustedurchgeführt.

Die außenpolitische Konzeption des Ministerpräsidenten Rasmara wurde bestimmt durch das militärische Denken des Generalstabschefs Rasmara. Er vertraute darauf, daß die strategische Lage Irans und sein Ölreichtum von so lebenswichtiger Bedeutung für den Westen seien, daß es keinen Zweifel an einer wirksamen militärischen und wirtschaftlichen anglo-amerikanischen Hilfe geben könne. Dieser Irrglauben wurde ihm zum Verhängnis. Denn die bisherige Waffenhilfe der Vereinigten Staaten war völlig unzulänglich: Im Jahre 1948 hatte Iran eine Anleihe von zwanzig Millionen Dollar für den Kauf und die Wiederinstandsetzung von überzähligem zum Teil veraltetem Kriegsmaterial der USA-Wehrmacht erhalten. Auf Grund des Waffenhilfsprogramms von 1949/50 und 1950/51 wurden dann einige wenige Waffen und Ausrüstungen nach Iran gesandt, die man in Teheran lakonisch als „Postpaket-Lieferuhgern bezeichnete. Soweit die militärische Unterstützung. Noch schlechter steht es um die wirtschaftliche Hilfe der USA. Auf Grund der – Smith-Mundt-Act wurden technische Missionen und Experten mit einem Kostenaufwand von 50 000 Dollar nach Iran geschickt. Mit der Ex-Import-Bank wurde lange über eine Anleihe verhandelt, die dann schließlich im Oktober 1950 kurz vor dem Zustandekommen des iranisch-russischen Handelsvertrages in Höhe von 25 Millionen Dollar zugesagt wurde. Bisher hat Iran jedoch nur einen kleinen Bruchteil dieser Anleihe erhalten! Ungefähr zur gleichen Zeit endlich wurde Iran auf Grund des Punkt-Vier-Programmes ein Betrag von 500 000 Dollar bewlligt, mit dem das Gesundheits- und Erziehungswesen sowie die Landwirtschaft (wenn sie je eintreffen) unterstützt werden sollen!

Das ist alles, was die Vereinigten Staaten bisher an tatsächlicher Hilfe für Iran getan haben. Das ist alles, obwohl ihnen bekannt ist, daß die wirtschaftliche und soziale Lage der Bevölkerung sich ständig in besorgniserregender Weise verschlechtert. Washington hat die dilatorische Behandlung seiner Iran-Hilfe mit der Korruption in der iranischen Verwaltung begründet.

Rasmara nahm diese Vorwürfe ernst. Er war dabei, die Mißwirtschaft zu beenden. Das kostete ihn sein Leben. Denn da trotz seiner radikalen Maßnahmen, die vielen hundert Namen all jener reichen Steuerhinterzieher und korrupten Beamten öffentlich anzuschlagen, die Steuereintreibung völlig versagte, wagte er sich – ans Öl. Er wußte, daß er auch dort nicht genug Mittel ’finden würde, um den notwendigen Sieben-Jahres-Plan des Landes vorantreiben zu können, der aus Geldmangel inzwischen praktisch eingestellt ist, Aber er hoffte, dort wenigstens die nötigen Einnahmen für den Staatshaushalt zu finden. Aus diesem Grunde verteidigte er am 4. März vor dem Öl-Ausschuß des Parlaments eine Regierungsvorlage über den Abschluß eines Ergänzungsvertrages mit der Anglo-lranian-Oil-Company, der die Einkünfte der Regierung durch größere Abgaben der Gesellschaft erhöhen sollte. Aus diesem Gründe setzte er sich für einen Vertrag ein, den die Engländer zwar als ihr äußerstes Entgegenkommen bezeichnet hatten, der aber dennoch nicht den berechtigten Wünschen des Iran entsprach.

Die englische Regierung besitzt die qualifizierte Aktienmajorität der Anglo Iranian. Sie ist daher an dem Gewinn der Gesellschaft und ihren Dividenden zu einem sehr erheblichen Maße beteiligt. Darüber hinaus erhebt die englische Regierung von der Gesellschaft eine Steuer, die höher ist, als die gesamten Einnahmen, die die iranische Regierung für das Öl ihres Landes von dem Konzessionär erhält.

Rasmaras Eintreten für einen neuen Vertrag mit dieser Gesellschaft am 4. März brachte ihm die Todfeindschaft der „Nationalen Front“ ein. Drei Tage später fiel er den Schüssen eines fanatischen islamischen Nationalisten zum Opfer.

Die Kommunisten und ihre sowjetischen Hintermänner haben es in Iran nicht mehr nötig, eins besondere Aktivität oder Terror-Tätigkeit, auszuüben. Ihre Geschäfte besorgen die Steuerhinterziehen korrupten Beamten und Parlamentarier Irans, Seite an Seite mit jenen unverantwörtlich handelnden „verantwortlichen“ Kreisen in London und Washington, die sich wahrscheinlich erst dann ihrer Verpflichtung zu einer tatkräftigen und wirksamen Iran-Hilfe bewußt – weiden, wenn es zu spät ist. Die Schuld für die Entwicklung der Dinge in Iran sollten sie dann aber nicht bei den Kommunisten, sondern bei sich selbst suchen. Der tragische Tod Rasmaras war die letzte Warnung – Ernst Krüger