Soweit also ist es gekommen, daß die meisten Kommentare zum Urteil im Brüsseler Prozeß gegen Falkenhausen und die drei anderen deutschen Generale ganz gerührt die Tatsache hervorheben, das Gericht habe in fairer Weise die Plädoyers der Verteidigung berücksichtigt und objektiv verfahren. Von den modernen Kriegsverbrecher-Prozessen erwartet man das offenbar überhaupt nicht mehr, und so sei denn auch hier dieser außergewöhnlichen Tatsache dankend gedacht. – Allerdings ist es auch diesem Gericht nicht gelungen, im gewissermaßen juristisch reinen Raum zu werten und zu urteilen, auch in den Brüsseler Gerichtssaal fielen die Schatten der Politik. Die juristischen Argumente waren seltsam zweideutig; so beispielsweise wenn festgestellt wird, daß Geiselerschießungen als Sanktionen für Attentate auf deutsche Soldaten rechtens seien, als Sanktionen für den Mord an belgischen Kollaborateuren jedoch einen strafbaren Tatbestand darstellen.

Das Urteil hat den politischen Gesichtspunkten und der öffentlichen Meinung in Belgien Rechnung tragen müssen. Noch besteht aber die Möglichkeit, daß die belgische Regierung die Verurteilten begnadigt und damit der Tatsache Rechnung trägt, daß es sich hier nicht um Kriegsverbrecher handelt, sondern um Männer, die wie wenige andere die Forderung der Nürnberger Rechtsprechung erfüllten, nämlich das Gewissen höher zu achten als Gehorsam und Befehl. Dff.