Mit über 3600 Ausstellern in 32 Branchen auf 60 000 qm gedeckter und ebensoviel Freigelände-Fläche ist die diesjährige Frühjahrsmesse in Frankfurt vom 11. bis 16. März der größte Markt Westdeutschlands nach dem Kriege, der an Bedeutung noch durch hohe Auslandsbeteiligung gewinnt. 1212 ausländische Firmen aus 27 europäischen und überseeischen Ländern haben ihre Erzeugnisse – teilweise in eigenen Pavillons – angeboten. Am stärksten ist Italien mit 380 Ausstellern vertreten. Es folgen Frankreich mit 200, Großbritannien, Belgien und Ungarn mit je 60 bis 70 und Österreich mit annähernd 50 Firmen.

Bereits nach den ersten Tagen läßt sich übersehen, daß der Besuch zwar rege ist – vor allem hat sich eine überraschend hohe Zahl von ausländischen Einkäufern eingefunden –, die Verkaufstätigkeit aber infolge der undurchsichtigen wirtschaftspolitischen Lage Westdeutschlands und der Unklarheit auf den Weltmärkten gehemmt erscheint. Die Einkäufer disponieren zurückhaltender als im letzten Jahr (siehe Köln und Hannover), weil ein Konjunkturrückgang – vielleicht – erwartet werden kann. Ferner wirken sich – wie aus Messegesprächen hervorgeht – die durch die Restriktionen allmählich eintretenden Liquiditätsschwierigkeiten, besonders aber die innerdeutsche Preis- und Marktentwicklung aus. In den Branchen der Konsumgüter, die auf dieser Messe vornehmlich zum Verkauf gelangen, wird das Geschäft dadurch erschwert, daß sich der Handel in den vorangegangenen Monaten in der Erwartung von Mangelerscheinungen und im Hinblick auf die Preissteigerungen übermäßig eingedeckt hat. – Nach den bisherigen Ergebnissen kann aber der Erfolg der Messe keinesfalls angezweifelt werden. Es sind ansehnliche Verkaufsabschlüsse getätigt worden, wenn auch nicht einheitlich in den Branchen.

Die Gruppe der Textilwarenaussteller ist die stärkste. Sie verteilt sich bei rund 600 Firmen, darunter 150 Ausländer, auf drei große Hallen. Ein Rundgang läßt hier erkennen, daß die deutsche Textilindustrie dem Ausland gegenüber absolut konkurrenzfähig ist. Die Problematik des Verkaufserfolges im Inland liegt hier besonders in der Preisgestaltung. Viele Auftragsbuchungen dürften lediglich als Vormerkungen ohne preisliche Bindung gelten, da man nicht weiß, welche Höhe die Rohstoffpreise auf den Weltmärkten noch erklettern. Auf dem Exportgebiet werden die Aussichten durchweg als gut bezeichnet, zumal Textilien im Ausland stark gefragt sind. Noch liegen die deutschen Preise unter Weltmarktniveau.

Auf Grund der vermehrten Bautätigkeit und des starken Nachholbedarfes erfreuen sich die Möbelindustrie und die Hersteller von Gebrauchs- und Haushaltsartikeln eines guten Umsatzes. Glas, Porzellan und Keramik, geschmackvoll und formschön, haben das besondere Interesse der ausländischen Einkäufer. Ausgesprochene Kauffreude ist dann im technischen Teil der Frühjahrsmesse zu beobachten. Maschinen und Apparate für Industrie, Handwerk und Gewerbe werden zu meist normalen Lieferzeiten angeboten. Neben Holzbearbeitungsmaschinen fällt das große Aufgebot an Baumaschinen und Baumaterialien auf und die Vielfalt der Transport- und Stapelgeräte, die ihren Platz auf dem Freigelände fanden.

Schon jetzt kann angenommen werden, daß im Exportgeschäft – trotz Köln und Hannover – das Vorjahrsergebnis überschritten werden durfte. Die ausländischen Aussteller zeigen sich „im Schnitt“ mit dem Resultat der ersten Tage auch zufrieden, obwohl sie durch den verhängten Importstop gehandicapt sind: die ihnen zur Verfügung gestellten Messekontingente von 3,607 Mill. 1, von der Einfuhrsperre ausgenommen, waren schnell ausgeschöpft. Der Ablauf der Messe beweist jedenfalls, daß Frankfurts Messepolitik richtig ist (die Stadt hat ja den bewährten Leipziger Paul Voß als Organisator gewinnen können), wenn auch die politischen Spannungen auf dieser Messe als leichter Schatten spürbar wurden. –ck.