Während der Dreharbeiten an dem Rommel-Film „Der Wüstenfuchs“ in Frankreich trat kürzlich eine Anzahl französischer Techniker in Streik, mit der Begründung, daß sie an einem solchen Film nicht mitwirken wollten. Das nahm der Pariser Filmkritiker der New York Harold Tribune, Art Buchwald, zum Anlaß, an den Produktionschef der Twentieth Century Fox, Mr. Henry Hathaway, einen Brief zu schreiben, in dem es heißt:

„... Da Rommel als Kriegsheld keinen allzu guten Ruf bei den Franzosen, Engländern und Amerikanern hat, möchte ich Sie um Auskunft bitten, warum Ihre Gesellschaft und Sie einen Film mit einem deutschen General als Hauptperson machen. Haben Sie die Absicht, Rommel zu verherrlichen? Da niemand Gelegenheit hatte, das Manuskript zu lesen, glaube ich, daß viele Leute gern eine Erklärung von Ihnen hören möchten, wie Sie die Rommel-Geschichte behandeln wollen...“

Mr. Hathaway antwortete darauf unter anderem: „... wurden alle notwendigen Genehmigungen von der französischen Regierung erteilt, nachdem das Manuskript offiziell durch das Centre National de la Cinematographie, eine Abteilung des Ministeriums für Handel und Industrie, gebilligt worden war. Wir engagierten eine Gruppe von französischen Technikern, alle Mitglieder der französischen Filmgewerkschaften. Einige dieser Leute lasen das Manuskript, ehe sie den Vertrag unterschrieben. Einige Tage später, infolge einer Verkettung von Umständen, die wir nicht ganz zu durchschauen vermögen, kamen die Leute zu uns und sagten, sie wollten wegen ihrer Gefühle gegenüber Rommel und gegenüber dem deutschen Volk an unserem Film nicht arbeiten ... Niemand, der die moderne Geschichte kennt, kann sich der Sympathie entziehen mit denen, die während der letzten hundert Jahre soviel gelitten haben wie die Franzosen. Wir glaubten daher den Leuten, daß sie aus ehrlichen und natürlichen Beweggründen handelten, und hatten nicht die Absicht, sie zur Einhaltung des Vertrages zu zwingen, obwohl man uns sagte, daß kein Mitglied der Filmgewerkschaft sie werde ersetzen wollen. Glücklicherweise fand sich eine andere Gruppe von Mitgliedern der Filmgewerkschaft, die, nach sorgfältiger Prüfung des Manuskripts ... nicht nur willig, sondern erpicht waren, den Vertrag zu unterzeichnen und für uns zu arbeiten. So wurden die französischen Szenen mit ausgezeichneten Ergebnissen vollendet.

Unsere Darstellung des ,Wüstenfuchses’ beabsichtigt, durch die Augen und die Person Rommelsdie Korruption und Erbarmungslosigkeit, die Gier und die Bosheit innerhalb des Nazikommandos zu enthüllen, die schließlich zum Zusammenbrach Hitlers und seines Regimes und ebenso zum Mord an Rommel selbst führten. Unsere Bemühung ist es nicht so sehr, das Schicksal Rommels zu erzählen, als ihn als ein Mittel zu benutzen, um die hochdramatische Geschichte der Zerstörung eines Regimes von innen her zu berichten...“

Soweit die Briefe, die zum ersten Male Auskunft über den Inhalt des Films über Rommel geben. Es scheint, daß sowohl die französischen Filmgewerkschaften wie auch der Filmkritiker und der Produzent mit diesem Hin und Her nur die Opfer des Doppelsinns sind, unter dem die Persönlichkeit Rommel steht. Als erfolgreicher deutscher General war er ihnen widerlich, als Verschwörer gegen Hitler war er ihnen sympathisch oder doch wenigstens nützlich. Wie soll man jetzt zu ihm Stellung nehmen? Darauf haben wahrscheinlich nur die Kommunisten eine klare Antwort. F.