In diesem Jahr rechnen deutsche und skandinavische Stellen mit einem erheblichen Aufschwung des Touristenverkehrs von und nach dem Norden. Allein die dänischen Reisebüros glauben, daß sich ihr Verkehr nach Deutschland verdreifachen wird, zumal jedem Reisenden jetzt Devisen im Gegenwerte von 600 dKr. zur Verfügung stehen, – 150 dKr. waren es im Vorjahre. Hinzu kommt, daß die Visa-Erteilung durch die neuen deutschen Generalkonsulate in Kopenhagen und auch in Stockholm den bisher umständlichen Weg über die alliierten Behörden endlich überflüssig macht. In Kopenhagen meint man sogar, daß eines Tages der bisherige Visumzwang zwischen Deutschland und Dänemark wegfallen würde. Aber auch für die deutschen Reisenden haben sich die Verhältnisse wesentlich verbessert, seitdem das Paßwesen in deutschen Handen liegt. Daher kann ebenfalls ein Ansteigen der Zahl der deutschen Skandinavien-Reisenden mit Berechtigung erwartet werden.

Zur Verkürzung des Bahnweges über Flensburg wurde im vergangenen Jahr von der Ivers-Linie K. G., Kiel, der Passagierverkehr auf der Strecke Kiel–Korsör eingerichtet. Die Reederei fand für ihre Bestrebungen bei der Landesregierung von Schleswig-Holstein und der Stadt Kiel hervorragende Unterstützung. Ihre schmucken Doppelschrauben-Schnelldampfer „Christian Ivers“ und „Harald Ivers“ beförderten von Mitte Mai bis Mitte November des vergangenen Jahres 26 000 Fahrgäste, 3000 Kraftwagen und eine erhebliche Menge an Frachtgut. Von den Passagieren waren 85 v. H. Skandinavier, 10 v. H. wurden von Amerikanern, Briten, Franzosen, Belgiern, Niederländern und Schweizern gestellt, und nur jeder 20. Passagier war ein Deutscher. In diesem Jahr wird der Kiel–Korsör-Verkehr auf eine breitere Basis gebracht werden. Das geschah durch die Gründung der „Kieler Reederei GmbH.“, an welcher das Land und die Stadt maßgeblich beteiligt sind. Die Gesellschaft wird die beiden Korsör-Dampfer von der Ivers-Linie K. G. chartern. Es besteht aber auch die Möglichkeit, daß die Ivers-Linie der Kieler Reederei GmbH, beitritt.

Eine weitere Verbesserung des Weges von und nach Skandinavien wird mit der Einrichtung der Fähr-Verbindung zwischen Großenbrode (Holstein) und Gjedser erreicht werden, um die sich der Präsident der Eisenbahndirektion Hamburg, Dr. Schelp, besonders verdient gemacht hat. In Dänemark stellte man dazu mit Befriedigung Fest, daß sich die Bundesbahn für Großenbrode entschieden hat, um das große Ziel der „Vogelfluglinie“ anzustreben. An weiteren Plänen zur Bewältigung des Verkehrs mit dem Norden bestehen noch die Einrichtung einer Fährverbindung zwischen Trelleborg und Travemünde seitens der schwedischen Staatsbahn und einer Fähre zwischen Rödby und Travemünde, die der dänische Reeder Pedersen betreiben will.

Alle diese Fährlinien sind aus einer akuten Verkehrsnot geboren. Während vor 1945 die Verbindung mit den nordischen Ländern in der Hauptsache über die Fähren Warnemünde–Gjedser und Saßnitz–Trelleborg abgewickelt wurde, war nach 1945 kaum fein Skandinavier. bereit, den umständlichen weg durch die deutsche Ostzone zu nehmen. So aber wurden die skandinavischen Reisenden gezwungen, einen Umweg über die dänische Insel nach Flensburg zu machen. Allerdings will Dänemark den Fährverkehr mit Warnemünde noch nicht einstellen, obwohl der fast immer leere Wagen des „Prag-Expreß“ ab 20. Mai nicht mehr übergesetzt werden soll... Willy Wenzke