Pt. New York, im März

Ein großer Sportskandal, den die New Yorker Staatsanwaltschaft zur Zeit aufzuklären sucht, hat die amerikanische Öffentlichkeit aufs tiefste erschüttert, weil die Hauptfiguren, eine Anzahl der besten Basketballspieler, fast durchweg Studenten sind. Zuerst wurden drei Studenten von der Mannschaft des City College verhaftet, nachdem sie eingestanden hatten, gegen Bestechungsgelder, bis zu 1500 Dollar, absichtlich verloren zu haben oder wenigstens unter einer bestimmten Zahl von Toren geblieben zu sein. Die Untersuchung förderte weitere acht Übeltäter zutage, jetzt auch bei anderen Universitätsmannschaften. Und der Staatsanwalt, Mr. Frank S. Hogan, erklärt dazu, er sei noch lange nicht am Ende seiner Säuberungsaktion. Er leugnet auch nicht, daß die Behörden dieser Verschwörung den Geist des Sports durch das Abhören von Telefonleitungen auf die Spur gekommen seien. Wahrscheinlich ist der New Yorker Sportskandal ein Nebenprodukt des großen Wett- und Spiel-Skandals, zu dem eine Senatskommission dieser Tage erklärt hat, in USA würden in jedem Jahr 20 Milliarden Dollar verwettet und verspielt und ein gewaltiges Gangsterunwesen finanziere sich hauptsächlich aus diesen Summen, obwohl Wetten und Spielen in den meisten Staaten gänzlich, in andern teilweise verboten ist.

Das Schicksal der elf jungen Sportler, die jetzt wegen Bestechung vor Gericht stehen, ist nicht ohne Tragik. Diese meist etwa 20jährigen Studenten waren die wichtigsten Spieler in den Universitätsmannschaften, die das Basketballspiel in den letzten Jahren zu einer hohen Blüte und zu einem Volkssport erster Ordnung gemacht haben. Ihre großen Spiele fanden in New York meist im berühmten Madison Square Garden statt und brachten Umsätze von Hunderttausenden an Eintrittsgeldern, wovon die Colleges einen großen Teil ihrer gesamten Sportausgaben finanzierten. Bei diesen Spielen wird auch gewettet, allerdings nicht auf Sieg, sondern auf die Tordifferenz. Man kann zum Beispiel wetten, daß City College mit mindestens fünf Toren Vorsprung gewinnen werde. Das war das Unglück der jungen Leute. Zwar wetteten sie nicht selbst. Aber durch allerlei Mittelsmänner verstand es ein Schieber und Großspieler namens Tarto Solazzo, der wegen Raub und Diebstahl schwer vorbestraft ist, sich an den einen und den anderen Spieler heranzumachen. Alsbald waren sie Gäste in seinem Haus, wo an Cocktails und Frauen kein Mangel war, und schließlich ließen sie sich überreden, ein bißchen weniger gut zu spielen. Solazzo aber, mit dieser „Sicherheit“, stieg hoch in das Geschäft ein. So hoch, daß der Staatsanwalt ihm jetzt für ein einziges Jahr Steuerhinterziehungen von mehreren 100 000 Dollar vorwirft.

Die jungen Spieler wurden gegen Kaution in Freiheit gesetzt, Solazzo befindet sich in Haft. Nach Paragraph 382 des Strafgesetzes des Staates New York begeht ein Verbrechen, wer Sportlern Bestechungsgelder anbietet oder wer als Sportler solche annimmt. Das Gesetz wurde 1921 beschlossen, im Anschluß an einen Baseballskandal, aber zunächst nur auf Professionals angewandt. Nachdem 1945 ein Bestechungsversuch an fünf Basketballspielern vom Brooklyn College gemacht worden war, wurde das Gesetz auf den Amateursport ausgedehnt. Danach haben die Schuldigen neben Geldstrafen Haft bis zu zwei Jahren zu erwarten. Im Repräsentantenhaus liegt schon ein Antrag vor, das Strafmaß für künftige Fälle gründlich zu erhöhen. Und es wird überall fleißig Sportmoral gepredigt. Aber das „Fixen“ – so nennt man den Sportschwindel – ist nicht neu. Wahrscheinlich wird es, solange daran hohe Beträge gewonnen werden können, weder durch Gesetze noch durch Predigten abgeschafft werden können.