Der Weltruf des bayrischen Bieres nahm im Jahre 1516 seinen Anfang: damals erließ Herzog Wilhelm IV. für die altbayrischen Lande das „Reinheitsgebot“; es durften also zur Bierherstellung nur noch Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden. Die Geburtsstunde der Biersteuer fiel in das Jahr 1543. Seit dieser Zeit hat das bayrische Bier eine Steuerfreiheit nicht mehr kennengelernt.

In Bayern wurde das Brauwesen schließlich zum Haupt- und Nationalgewerbe; ja die Bevölkerung wertete das Bier sogar als ausgesprochenes Nahrungsmittel. Von der Hauswirtschaft über den gewerblichen Betrieb der Dorf- und Stadtwirtschaft bis hinauf zum Großbetrieb von weltwirtschaftlicher Bedeutung, ist unter den bayrischen Brauereien jede betriebswirtschaftliche Stufe vertreten. Ein besonderes Merkmal des bayrischen Braugewerbes ist seine verbrauchsnahe Standortverteilung: von der Gesamtbiererzeugung fallen, mehr als drei Viertel auf die Klein- und 1724 in Betrieb befindliche Brauereien. Davon waren allein 1475 Kleinbetriebe mit einem Jahresausstoß bis zu 5000 hl, 142 Brauereien erreichten zwischen 5000 und 10 000 hl und 95 Betriebe hatten einen Jahresausstoß zwischen 10 000 und 50 000 hl, An Großbetrieben über 50 000 hl zählt Bayern zwölf Stück. Etwa 75 v. H. aller westdeutschen Brauereien liegen heute in Bayern, dem klassischen Land der bodenständigen Mittel- und Kleinbetriebe.

Zwei Probleme sind es, die das bayrische Braugewerbe zur Zeit besonders stark beschäftigen; Preisentwicklung hatte sich nahezu völlig von den Ernte- und Bedarfsverhältnissen gelöst. Von der 485 700 ha betragenden Sommergersteanbaufläche des Bundesgebietes macht die bayrische Anbaufläche 257 300 ha aus. Die Hopfenernte betrug, im Bundesgebiet etwa 190 000 Zentner, jedoch zeigte die Qualität erhebliche Unterschiede. Wassergehalte von 11 bis 14 v. H.-waren keine Seltenheit, Die Preisentwicklung des Jahres 1949 hatte sehr bedenkliche Auswirkungen auch auf die neue Hopfenkampagne, und man hätte die durch die Qualitätsunterschiede notwendig gewordene Einteilung in Qualitätsgruppen bei der Bewertung des Hopfens ebenfalls berücksichtigen sollen. Besonders schmerzlich wird von den Brauereien die Preisermäßigung von 3 DM je hl, die sie lange vor Verkündung der Biersteuersenkung am 1. September 1950 unter ganz anderen Produktionsbedingungen und Preisverhältnissen zusagten, empfunden. Der Zeitpunkt des Inkrafttretens der Biersteuersenkung fiel mitten, in die Korea-Krise, dem Auftakt einer allgemeinen Preissteigerung. Dieses Preisopfer kann infolge der Verteuerungen aller Rohstoffe und Betriebsmaterialien auch durch die Erhöhung des Bierausstoßes im laufenden Betriebsjahr nicht ausgeglichen werden. Da das Braugewerbe infolge der gebundenen Preisbildung nicht in der Lage ist, den Bierpreis den veränderten Kosten anzupassen, gerät es zwischen die Mühlräder der starren Bierpreisfestsetzung einerseits und der gestiegenen Betriebskosten anderseits.

Trotz dieser Preisgestaltung könnte das bayrische Braugewerbe einer einigermaßen erträglichen Entwicklung entgegensehen, wenn es sich kilo per der dann wurde aber bewerb hingeben würde. Aber es gibt keine Möglichkeit – weder durch Vereinbarungen der Brauereien untereinander, noch durch behördliche Mitwirkung –, diese unhaltbaren Zustände abzustellen. Jeder Vereinbarung steht die alliierte Antikartell- und Monopolgesetzgebung im Wege, obwohl die für das Braugewerbe nötige Ordnung weder mit Kartell noch mit Monopol irgend etwas zu tun hat.

An dem Gesamtausstoß der bayrischen Brauereien von 6,84 Mill. hl sind die Münchner Großbrauereien mit 1,15 Mill. hl beteiligt. In München allein werden gegenwärtig wieder 7 v. H. der gesamten westdeutschen Biermenge produziert. Für den Export des bayrischen Bieres bildet die Frachtvorbelastung leider ein erhebliches Hindernis. Der Nachteil von zum Beispiel bayrischen Bierlieferungen zu Exportzwecken gegenüber Hamburg, Bremen, Amsterdam, Rotterdam und Kopenhagen liegt auf der Hand, wenn man bedenkt, daß der Frachtanteil am Erlös 15 v. H. beträgt. Die Anwendung eines Seehafenausnahmetarifs scheint hier ebenso vertretbar, wie auch den revierfernen Randgebieten bei Stahl- und Eisentransporten ein Sondertarif zugebilligt worden ist. hbd.