Aus dem Bundespostministerium wurde dieser Tage die Aufhebung der im Jahre 1943 erlassenen Verfügung über die Wiederverwendung bereits benutzter Briefumschläge – nach vollständiger Überklebung der alten Aufschrift, der Marken und Stempel – für Einschreibbriefsendungen im Inlanddienst mitgeteilt. Man erinnert sich: damals war das Papier so knapp, daß besondere Sammelaktionen eine begrüßenswerte Hilfe für die deutsche Wirtschaft bedeuteten. So hatte sich 1943 die Post zu dem Entschluß durchgerungen, benutzte Briefumschläge wieder für den Verkehr zuzulassen.

Und da nun das Bundespostministerium die Aufhebung dieser papiersparenden Einrichtung verfügte, sollte man meinen, daß wir in einem Überfluß von Papier leben. Doch leider ist das Gegenteil der Fall. Anscheinend aber hat sich diese Tatsache noch nicht bis zu dem sonst (aus Berufsgründen) so hellhörigen Bundespostministerium herumgesprochen. Dann hätte man es wahrscheinlich bei dem alten Zustand belassen, zumal unter den Rohstoffen das Papier eines unserer größten Sorgenkinder darstellt. Wahrscheinlich gibt es bei den leitenden Herren des „Bupomi“ keinen, der gezwungen ist, einmal in einem Geschäft z. B. Briefumschläge zu kaufen. Wenn er es dieser Tage versuchen und 200 Stück verlangen würde, müßte er die Antwort hören: „Bedauere, mein Herr, ich kann Ihnen leider nur 100 verkaufen“ ...

Dat der Papiermangel und die immer noch steigenden Preise die Existenz der deutschen Presse bedrohen, soll in diesem Zusammenhang nur erwähnt werden. Westdeutschland verbraucht monatlich rund 20 000 t Zeitungspapier für seine Zeitschriften, Wochen- und Tageszeitungen. Die eigene Produktion beläuft sich aber nur auf 15 000 t, die infolge der Kohlenknappheit seit langem nicht mehr erreicht werden kann. Man ist also auf Einfuhren angewisen und muß für 100 kg ausländisches Zeitungspapier 160 DM zahlen. Deutsches Papier kostet jetzt 81 DM. Wir liegen übrigens mit 32 kg Papier-Verbrauch je Kopf und Jahr weit unter dem Vorkriegsstand, der sich auf 48 kg belief. In den USA erreicht der Verbrauch immerhin 170 kg. – Aus der Markenartikelbranche kommen ebenfalls ernste Klagen. Dort denkt man im Zusammenhang mit den anziehenden Preisen für Pappen und Papier bereits darüber nach, ob in Zukunft auf eine besondere Verpackung der Ware verzichtet werden kann, um eine Qualitätsminderung oder aber eine Preiserhöhung zu umgehen.

Nach einer Mitteilung der Industrie- und Handelskammer Baden-Baden ist in ihrem Geschäftsbereich Altpapier nur noch auf dem Kompensationswege erhältlich. Man weiß natürlich, daß derartige Kompensationsgeschäfte nach § 15 des Wirtschaftsstrafgesetzes untersagt sind. Aber als im Januar das Bundeswirtschaftsministerium im Januar das Bundeswirtschaftsministerium ausdrücklich auf diesen § 15 verwies, bedurfte es Zwang besonderen Branchenkenntnis, um den Zwang zu diesem Hinweis zu spüren. In sehr schiedenen Kreisen glaubt man offensichtlich sehr Stark an die Rückkehr jener „Geschäfte“, die vor der Währungsreform üblich waren,

Westdeutschlands Papierfabriken verarbeiten je Monat 55 000 t Altpapier. Im vergangenen Jahr erbrachte die Sammlung von Altpapier 419 000 t. Aber leider ist in den letzten Monaten der Anfall (wegen der Hortung!) stark rückläufig. In den USA werden 60 v. H. der gesamten Papierproduktion als Altmaterial der Wiederverwendung zugeführt. In Westdeutschland sind es kaum 30 v. H. Und doch müßte es möglich sein, diesen Prozentsatz auf dem Wege einer sorgsamen und gewissenhaften Erfassung erheblich zu erhöhen, um auch hier zum Ausgleich unserer Devisenbilanz beizutragen.

Altpapier aber ist nur ein Teil, des Rohstoffs Altmaterial, um dessen Erfassung wir uns nun wirklich ernsthaft bemühen müssen. Dazu gehört selbstverständlich der Schrott. Doch auch Felle, Knochen, Lumpen, Lederabfälle, altes Schuhwerk, Taschen- und Kfz.-Batterien, Altöl, Altgummi, defekte Glühlampen, Korken und leere Tuben müssen wir wieder sammeln. Ist es dabei eigentlich vertretbar, daß der Lebensmitteleinzelhändler die Rücknahme eines Marmeladen- oder Honigglases ablehnt? Wir finden, daß die Vergeudung bei diesen Kleinigkeiten anfängt. Wir finden aber auch, daß das Bundespostministerium seinen Ukas über die untersagte Verwendung bereits benutzter Briefumschläge besser nicht herausgegeben hätte ...

Willy Wenzke

In die Richtlinien zur individuellen Kreditrestriktion hat der Zentralbankrat auch den kurzfristiger Kredit der Sparkassen und der gewerblichen und ländlichen Kreditgenossenschaften einbezogen Wechsel, denen Teilzahlungs-Finanzierungsgeschäfte zugrunde liegen, sind von einer Refinanzierung durch das Zentralbanksystem ausgeschlossen worden.