J. B., Salzburg, Mitte März

In Österreich leben über 30 000 deutsche Staatsangehörige, Wenn aber der Sohn aus Österreich mit seinem Vater in Deutschland zusammenkommen wollte, so mußte er eine jener Grenzstellen aufsuchen, wo „Sprecherlaubnis“ gegeben wurde. Ganze Wallfahrten bestiegen in jenen Tagen den Hohen Goll (2519 m) bei Salzburg, wo am steilen Abhang ein Schutzhaus genau auf dem Grenzstrich steht, das von österreichischer wie von deutscher Seite besucht werden kann, und man wenigstens für Stunden – abends bei Petroleumlicht im überfüllten Raum – zusammen sein konnte.

Langsam nur gaben zuerst die Alliierten Reisepapiere aus. Noch langsamer wurden die Rechte an österreichische Behörden übertragen. Zur Zeit ist es nun so: Im österreichischen Grenzbezirk werden Ausweise gegeben, die zum Besuch der deutschen Grenzzone berechtigen; es sind Dreitagesscheine für einen einmaligen Grenzübertritt bei kleinem Anlaß, Grenzkarten auf sechs bis zwölf Monate und mehrmalige Reise bei entsprechender geschäftlicher Begründung.

Der deutsche Staatsangehörige erhält weiter als Paßersatz einen „Reiseausweis“ von den österreichischen Paßbehörden erster Instanz, mit dem er bei Vorliegen des deutschen Einreisevisums (das ohne weiteres gegeben wird) nach Westdeutschland fahren kann. Für die einmalige Reise gibt man den Ausweis auf acht Monate, für mehrfache Besuche auf zwölfMonate.

In gleich, einfacher Weise sind Papiere zum Besuch der westalliierten Länder zu erreichen, nicht aber zur Reise in neutrale Länder. Das heißt, die österreichische Paßbehörde erster Instanz kann wohl dem in Österreich wohnenden Deutschen das Papier für eine Reise nach Singapur ausstellen, weil es zum Britischen Weltreich gehört, aber nicht für eine Fahrt nach Zürich. Will ein in Österreich lebender Deutscher z. B. nach der Schweiz oder nach Italien fahren, so schaltet sich die Instanz der Alliierten (und zwar alle vier Mächte) ein. Man erlebt dann dabei ebenso das sowjetische Veto wie man es von der großen Politik her gewohnt ist...

Auch die grünen Ersatzpässe, die jetzt vom Permit Office der Alliierten Hochkommission in Wien und den Zweigstellen Salzburg und Innsbruck für deutsche Staatsangehörige in Österreich ausgegeben werden, setzen für die Reise ins neutrale Ausland die sowjetische Erlaubnis voraus – die natürlich von den Sowjets kaum zu erhalten ist. Nun sollen Inhaber solcher Pässe, wie es heißt, die Möglichkeit halben, bei der Bundesrepublik selber die Weiterreisevermerke zu erhalten, obwohl sie ja in Österreich selbst noch über keine Vertretungen verfügt!