Schadenersatz für Sensationserfolg?

Werner Egk, der mit seiner großen „Abraxas“-Tournee durch das Bundesgebiet wie überall so auch zuletzt in München triumphale Erfolge erntete, hat jetzt den bayerischen Staat auf 20 000 DM Schadenersatz verklagt für den Tantiemenausfall infolge des vom seinerzeitigen Kultusminister Dr. Hundhammer erlassenen Aufführungsverbots in der Bayerischen Staatsoper. Auf den ersten Blick mag diese Forderung zu Recht bestehen. Aber Werner Egk ist nicht nur ein einfallsreicher Komponist, sondern auch ein kluger, ja, ein witziger Kopf. Sollte er im Ernst verkennen, daß jenes Verbot eine gewaltige Reklame für sein Werk war, die dem umstrittenen Ballett einen solchen Vorschuß an echtem Interesse, aufgestachelter Neugier und prinzipieller Beifallsbereitschaft erwirkte, wie es keine ungestörte Aufführungsserie am Ort der Premiere vermocht hätte? In diesem ungewollten Effekt – es sollte nachgerade kein unerwarteter mehr sein – liegt doch die hauptsächliche Fragwürdigkeit aller Verbote, die sich im Sinne des „Geschäfts“ noch immer als kräftigste Förderung erwiesen haben, Und dafür nun Schadenersatz...?

A. T.