DIE ZEIT

Wolfsburg will sich freikaufen

In den nächsten Tagen wird der Landtag Niedersachsens über eine Gesetzesvorlage zu entscheiden haben, nach der die "Volkswagenstadt" Wolfsburg aus dem Landkreis Gifhorn ausscheiden und einen selbständigen Stadtkreis bilden soll.

Völlig verfahren

Wie war noch der Gang der Ereignisse? Das magere Ergebnis der langen Beratungen über das Mitbestimmungsrecht hatte bei den Gewerkschaften Ärger und Mißtrauen hervorgerufen.

Diplomatisches Haarspalten

In der zurückliegenden Epoche autoritärer Staatsführung haben wir uns so daran gewöhnt, politische Entschlüsse und Maßnahmen als vollendete Tatsachen vorgesetzt zu bekommen, daß uns das gemeinsame Auffinden, vielmehr Aushandeln eines politischen Kompromisses oder auch nur die Vorbereitung einer entsprechenden Konferenz höchst merkwürdig erscheint.

Sowjetzentrum Ostberlin

Von Karfreitag bis Ostern wird in Ostberlin die „Europäische Arbeiterkonferenz“ tagen. Diese neue Konferenz baut auf dem Welt-Friedensrat auf, der vor einigen Wochen gleichfalls in Ostberlin stattfand.

DIE WOCHE

Im französischen Außenministerium wurde der Schuman-Plan feierlich paraphiert. Der Vertragsentwurf muß noch von den Regierungen der sechs Mitgliedstaaten bestätigt und von den Parlamenten ratifiziert werden.

Schicksalsstunde des Iran

Der alarmierende Beschluß des iranischen Parlaments, die Ölindustrie des Landes zu verstaatlichen, ist nicht nur für die „Anglo Iranian Oil Company“ ein schwerer Schlag, Indirekt betrifft er alle ausländischen Ölgesellschaften in allen Ländern des Mittleren Osten.

Triest – wunder Punkt am Mittelmeer

In London verhandelten dieser Tage der italienische Ministerpräsident de Gasperi und Außenminister Graf Sforza mit der englischen Regierung über Fragen der Revision des italienischen Friedensvertrages.

Karl Arnold

Der unentwegte Demokrat aus dem Schwabenland, Karl Arnold, feierte am 21. März seinen fünfzigsten Geburtstag... Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident hat mehr als einmal im Brennpunkt heftiger Meinungsverschiedenheiten gestanden, nachdem er im Sommer 1947 den Oberbürgermeister-Posten von Düsseldorf mit dem des Ministerpräsidenten gewechselt hatte und nachdem er durch den „Staatsstreich des Geheimrat Katzenberger“ im September 1949 zum ersten Bundesratspräsidenten Westdeutschlands geworden war.

Amphitryon Nr. 39

Robert Oboussier, bis zum Jahre 1938 Musickritiker an der Deutschen Allgemeinen Zeitung und einer der Gescheitesten und Elegantesten seines Fachs, ist aus seiner Schweizer Heimat nach Berlin zurückgekommen – als Komponist des„Amphitryon“.

Bayerisches Duell: Jackl contra Pepperl

Noch hat der „Spiegel-Ausschuß“ des Bundestages den Monstrumbericht nicht zur Debatte gestellt, der als Ergebnis von 22 öffentlichen und fünf beratenden Sitzungen, von sechs kommissarischen Vernehmungen und zahllosen Zeugenaussagen die finanziellen Verstrickungen einzelner Abgeordneter der Bayernpartei Waren soll, und gleichzeitig ihre Methoden, einander zur Strecke zu bringen, beleuchten wird – da dringen Meldungen über eine neue Krise der Bayernpartei in die Öffentlichkeit.

Notizen

Der Berliner Kunstpreis „Jubiläumsstiftung 1848/1948“ wurde vom Senator für Volksbildung Prof. Joachim Tiburtius an dreizehn Schriftsteller, Schauspieler, Komponisten und Maler verliehen, Den Kunstpreis für Malerei erhielten Theodor Werner und Alexander Camaro.

Saladin Schmitt zum Gedenken

Louise Dumonts 1932 erlöschen mußte, erfuhr das Bochumer Theater Saladin Schmitts – die zweite Rangkoordinate der westdeutschen Theaterprovinz in der ersten Jahrhunderthälfte – seine offizielle Bestätigung erst in den dreißiger Jahren, Der heroische Monumentalstil, die festspielhafte Reihung von Klassikerzyklen in einer Arbeiterstadt des Ruhrgebiets, das oratorische Pathos und das ausladende Schaugepränge entsprachen dem Geschmack von Machthabern, die Saladin Schmitt gewiß zu seinem eigenen Erstaunen heimsuchten.

Ein Abraxas-Nachspiel

Werner Egk, der mit seiner großen „Abraxas“-Tournee durch das Bundesgebiet wie überall so auch zuletzt in München triumphale Erfolge erntete, hat jetzt den bayerischen Staat auf 20 000 DM Schadenersatz verklagt für den Tantiemenausfall infolge des vom seinerzeitigen Kultusminister Dr.

Vom Sündenfall zum Jüngsten Gericht

Die Osterzeit war in den deutschen Städten des 14. und 15. Jahrhunderts die Zeit der großen religiösen Schauspiele. Das ausgehende Mittelalter hat eine hohe Entwicklung des deutschen Dramas hervorgebracht, Werke von überwältigender Innigkeit, herber Kraft und zauberischer Süße.

Auferstehung für Sudermann?

Kurioser Leidensweg eines Ruhmes: Der fünfunddreißig jährige Hermann Sudermann wird neben den dreißigjährigen Gerhart Hauptmann auf das Postament gestellt.

Der seine Hände in Unschuld wusch

„...unter Pontius Pilatus gekreuzigt“, mit diesen Worten aus dem christlichen Glaubensbekenntnis ist der römische Statthalter von Judäa in die Weltgeschichte eingegangen als ein Richter gegen Recht und Wahrheit, der Jesus von Nazareth ans Kreuz schlagen ließ.

Ohne Gepäck

Auf dem Hamburger Rathausmarkt haben Passanten am hellichten Tag einen bewußtlosen Mann gefunden. Sie schafften ihn ins Krankenhaus, und da kam er bald zu sich.

Das gekrönte Tier

Als der Kaiser Basilios I. von Byzanz an jenem Freitag zu Ehren der Jungfrau-Mutter sein Haupt, der heiligen Zeremonie gemäß, nicht mit dem Diadem, sondern mit der Lilienkrone umschließen ließ, da spürte er, als wäre sein Haupt über Nacht geschrumpft oder das Polster seiner grauen Locken lichter geworden, wie der Kopfschmuck tiefer in seine Stirne hineinsank.

Sinnbild im Sinnfälligen

Im beginnenden Frühjahr des Jahres 1924, nach den Trübnissen der Inflationszeit, veranstaltete Wilhelm Uhde, der große Entdecker, seine erste Ausstellung in Berlin im Salon Gurlitt in der Potsdamer Straße.

KURT HILLER:: Nebenbei

Neulich hat einer entdeckt, daß Stefan George „keinen Humor hat“. In der Tat, er unterscheidet sich von Fritz Reuter. Nächstens wird jemand in der Bergpredigt Schüttelreime vermissen; oder in der Algebra die Inbrunst.

Bei der Post geht’s nicht so schnell

Aus dem Bundespostministerium wurde dieser Tage die Aufhebung der im Jahre 1943 erlassenen Verfügung über die Wiederverwendung bereits benutzter Briefumschläge – nach vollständiger Überklebung der alten Aufschrift, der Marken und Stempel – für Einschreibbriefsendungen im Inlanddienst mitgeteilt.

Notwendige Remontage

Unvergessen ist, daß man einmal bei uns „das Rattern der Demontagehämmer“ als „die erste europäische Auferstehungs-Melodie“ bezeichnen konnte: Erik Nölting hat dies Wort geprägt.

Nun die Parlamente

Neuerdings sind die Bonner – oder eigentlich Adenauers – Bedenken gegen die weitgehende Dekartellierung an der Ruhr beiseitegeschoben worden, ohne daß sich am Problem etwas geändert hätte.

Bayrische Biersorgen

Der Weltruf des bayrischen Bieres nahm im Jahre 1516 seinen Anfang: damals erließ Herzog Wilhelm IV. für die altbayrischen Lande das „Reinheitsgebot“; es durften also zur Bierherstellung nur noch Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden.

Mr. Miller meint...

Es tut nichts zur Sache, ob das Gespräch mit Mr. Miller, worüber hier berichtet werden soll, am Kamin in London oder in der Halle eines Hamburger Hotels stattgefunden hat; es ist auch gleichgültig, ob unser Gesprächspartner – ein Mann aus der City, dessen Wort nicht nur im engeren Kreise seiner Geschäftsfreunde „aus der Branche“ Gewicht hat – diesen oder Jenen Namen trägt; es ist schließlich keineswegs entscheidend, ob unser Mann nun etwa in diesem oder jenem Punkte irrt, also die Dinge: bei uns schief sieht und allzu einseitig beurteilt: wichtig ist nur, zu erfahren, wie „man“ in der City über die gegenwärtige kritische Situation hierzulande denkt.

Deutsche Paßfragen in Österreich

In Österreich leben über 30 000 deutsche Staatsangehörige, Wenn aber der Sohn aus Österreich mit seinem Vater in Deutschland zusammenkommen wollte, so mußte er eine jener Grenzstellen aufsuchen, wo „Sprecherlaubnis“ gegeben wurde.

Japan im Ausverkauf

Als im Dezember 1950 die USA den Handelsverkehr mit Rotchina offiziell einstellten, wurde auch Japan veranlaßt, seine Liste für Ausfuhrbeschränkungen nach China zunächst für einen Monat auf praktisch alle Waren auszudehnen.

Benzinscherze...

Seit Ende 1949 treibt Bonn ein heiteres Kasperlespiel mit dem Treibstoffverbraucher, Strahlend erscheint der Herr Bundeswirtschaftsminister auf der Bühne und verkündet: „Benzin frei – Preise hoch,“ Schnell verschwindet er aber wieder, und dann kommt ein ernst dreinblickender Ministerialexperte von der anderen Seite und sagt: „Versorgungslage schlecht – Devisen knapp – Rationierung bleibt.

Nürnberger Tand – sehr gefragt

Die „weihnachtliche Stimmung“ der alten Reichsstadt Nürnberg sei der rechte Rahmen für die 2. Deutsche Spielwarenmesse, meinte Bayerns Ministerpräsident, als er den Marktplatz des Weihnachtsmannes eröffnete.

Wenig Geld für Forschung

So also lautete die hoffentlich einmalige Antwort des Ministerpräsidenten eines deutschen Ländles auf die Sorgen eines Wissenschaftlern „Ei, habbe Sie sich doch net so, mer habbe in der Verwaltung aach große Schwierischkeite.

Neue Liniendienste

Ab Juni werden die Hapag und der Norddeutsche Lloyd erstmals nach dem Krieg den Übersee-Passagierverkehr nach den USA aufnehmen.

Die Hamburg-Süd

Der Verlust des großen Flottenbestandes und die Schwierigkeiten der Wiederaufbaufinanzierung zwangen die Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrts-Gesellschaft (gegen die Stimmen der Kleinaktionäre) zur Umwandlung des Unternehmens durch Vermögensübertragung auf die Kommanditgesellschaft Eggert & Amsinck, der seit langem 75 v.

Aus der Produktion

Die deutsche Penicillin-Forschung hat einen neuen Erfolg zu verzeichnen. Es gelang der chemisch-pharmazeutischen Fabrik Chemie Grünenthal GmbH.

Deinhard-Senior 75 Jahre

Am 26. März vollendet der Seniorchef der Sektkellereien Deinhard & Co., Koblenz, Alex Haßlacher, sein 75. Lebensjahr. Lange Auslandsaufenthalte, vor allem von 1895 bis 1898 während der Lehrjahre im Londoner Haus von Deinhard & Co.

Es brodelt in Nordafrika

Frankreich hat alle Nachrichtenverbindungen von Französisch-Nordafrika zur Außenwelt durchschnitten. Französische Artillerie bombardiert marokkanische Städte und Moscheen.

Ein Russe träumt von Ostern

Zum Essen gehört Zeit. Deshalb sind Festtage so beliebt. Ostern, das Hauptfest des russischen Kirchenjahres, bot besonders reichliche Abwechslungen.

„Das Latein der Demokratie“

Mir ist es wie Tolstoj ergangen. Nach zwei Stunden Esperanto-Unterricht schien es mir ein Leichtes, mit Wörterbuch und Grammatik bewaffnet, mich bereits an Übersetzungen heranzuwagen.

Olympisches Feuer per Flugzeug

Kr. Buenos Aires, im März Außer Uruguay nahmen kürzlich sämtliche Staaten Amerikas an den panamerikanischen Olympischen Spielen in Buenos Aires teil.

Schönheit aus Tod und Trauer

Epigonentum (im üblichen Sinne des Wortes) klebt an den Formen, die seit einer, zwei oder drei Generationen geläufig sind. Die Entdecker und Beginner in der modernen abendländischen Kunst dagegen erdenken sich zumeist nicht schlechthin „neue“ Formen, sondern greifen über die geläufigen und abgeschliffenen hinweg zurück auf solche, die bis zu ihnen als antiquiert galten.

Die Gangster wurden Gambler

Angesichts der gegenwärtigen Gangsterskandale in Amerika liegt die Frage nahe, was aus all den Verbrechern geworden ist, die in den zwanziger Jahren als Bootlegger (Alkoholschmuggler) und als die großen „Chefs“ der Prostitution die Schlagzeilen der Presse und die spannenden Stories amerikanischer Verbrecherfilme lieferten? Dillinger wurde erschossen, Al Capone starb, nachdem er eine Anzahl von Jahren wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis verbracht hatte.

Notizen für Reisende

„Züge der europäischen Freundschaft“ will der „Internationale Eisenbahnverband“ (UIC) einrichten. Sie sollen von April bis Oktober 1951 als Rundreisesonderzüge zum erstenmal eingesetzt werden.

Das Kreuz des Barabbas

Es war aber einer, genannt Barabbas, gefangen mit den Aufrührerischen, die im Aufruhr einen Mord begangen hatten“ – das ist das einzige, was das Evangelium von jenem Manne berichtet, der an Christi Stelle von dem durch die Hohenpriester aufgewiegelten Volk zum Osterfest los gebeten wurde.

Eine weltliche Heilige

Eine der bemerkenswertesten Erscheinungen der jungen deutschen Nachkriegsliteratur findet man in den zahlreichen kritischen Übersichten nicht verzeichnet, obwohl das Buch schon seit 1948 vorliegt: Ute Aiblingers Roman „Die größere Hoffnung“ (Hermann – Fischer – Verlag, 400 S.

Gottgesandter Farmerssohn

Ähnliches hat sich zwischen den beiden Kriegen begeben: Ein Mann will die Welt ändern; er ist ein Farmerssohn aus irgendeinem amerikanischen Staat und heißt Willie Stark.

Heitere Prosa

zählungen (Engelhornverlag Adolf Spemann, Stuttgart, 184 S., Leinen DM 6,80). – Gedanken- und humorvolle Novellen des Dichters, der den „Herrn Kortüm“ schuf.

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